Pimp my Pizza

13. Februar 2007, 17:00
82 Postings

Konstantin Hilberg rätselt, was in aller Welt eine Pizza VIP-würdig machen könnte

Nach ausgiebigen kulinarischen Höhenflügen in Norditalien beschrieb Kollege Grabenweger vorige Woche anschaulich handfeste Gaumenfreuden in steirischen Gefilden. Ich komme heute endlich im österreichischen Alltag an, bei Mutmaßungen über den kulinarischen Bodensatz. Mit der Frage, wodurch sich (vermeintlich) einfache Speisen veredeln lassen.

Maggi der Nouvelle Cuisine

Als gelernter Bobo denke ich da natürlich zuerst an Trüffelöl (aka "Maggi der Nouvelle Cuisine"), das so manch trister Pasta einen mondäneren Anstrich geben kann.

Wirklich ins Grübeln kam ich allerdings schon vor anderthalb Jahren in einer ländlichen Disco im Salzkammergut. Nebst den üblichen Bier- und Cocktailangeboten stach mir ein Schnäppchen ins Auge und befeuert seither meine Fantasie: "Eine Flasche Dom '99 + gratis VIP-Pizza nur 130 Euro".

Seither beschäftigen mich mehrere Fragen. Unter anderem: Wie sieht die Klientel aus, die in einer Dorfdisco Jahrgangschampagner ordert? Wer ordert Schampus und möchte dann dazu Pizza essen? Für wen ist die Gratis-Pizza eine unique selling proposition, die das Champagner-Angebot unwiderstehlich macht?

Vor allem aber: Was macht diese Pizza zur VIP-Pizza? Angesichts des Publikums schließe ich aus, dass das Stück Teig allein durch seine Konsumenten hinreichend geadelt wird, hier verkehren eher Krethi und Plethi als Karl-Heinz und Fiona. Somit muss sich die Nobilität der Pizza aus ihrer Beschaffenheit erklären.

Kobe oder Kaviar?

Damit wären wir beim angemessenen Belag einer VIP-Pizza: Ist diese vielleicht mit feinen Scheiben Kobe-Beef belegt? Oder ist sie, statt für Dosenthunfisch, Trägerplattform für feinsten Kaviar (wobei ich bezweifle, dass sich Sevruga nach fünf Minuten Steinofenbehandlung allzu sehr von Sardellenpaste unterscheidet)? Als potenzieller Edel-Belag scheidet die Gänseleber wohl ebenso aus, aus eigener Anschauung weiß ich, dass diese eher heikel auf radikale thermische Behandlung reagiert.

Unter albernen Möglichkeiten, die Pizza aufzumotzen, bliebe dann allenfalls noch der Rückgriff auf den Küchendiamanten, also die weiße Trüffel. Ein Gedanke, der mich schaudern lässt, offenbar aber nicht abwegig genug ist. Beim obligaten Stadtrundgang in Alba im Rahmen der jährlichen Piemont-Tour entdeckten Harald Fidler und ich doch tatsächlich einen Laden (Restaurant mag ich in diesem Zusammenhang nicht schreiben), der Trüffelpizza anbietet (Foto oben links). Ob die eine entfernte Verwandte der Salzkammergut-VIP-Pizza ist?

"Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Trüffel-Serviervorschlag in Alba
    fid

    Trüffel-Serviervorschlag in Alba

Share if you care.