Dauerbrenner "Freie Radikale"

9. Oktober 2007, 11:08
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Freie Radikale sind weder in der Medizin, noch in der Hautpflege ein neues Gebiet - Forschungen bringen aber immer neue Erkenntnisse zu ihrem Wirken

Wien - In Medikamenten wie Zytostatika oder Antibiotika sind die hochreaktiven Stoffe hochwillkommen, weil sie Krebs und Bakterien angreifen. Allerdings schädigen sie vielen Studien zufolge auch die Zellen des menschlichen Organismus.

Hautalterung durch freie Radikale

Beim Thema vorsorgende Hautpflege kommt man deswegen seit Jahren nicht um das Thema herum. "Die Hautalterung wird zu 70 Prozent von Freien Radikalen ausgelöst", sagt beispielsweise Christoph Bamberger, Deutschlands erster Professor für Endokrinologie und Stoffwechsel des Alterns.

Greifen gesunde Zellen an

Die Medizin beschreibt sie als Atome oder Moleküle, die ein oder mehrere ungepaarte - freie -Elektronen besitzen. Deswegen sind sie instabil, kurzlebig und hochreaktiv. Diesen Zustand versuchen sie zu ändern, indem sie anderen Molekülen Elektronen entreißen. "Bei der Partnersuche sind diese 'Singles' nicht wählerisch und greifen gesunde Zellen an", sagt Linda Zajer von Seiten der Kosmetikhersteller. Die Wissenschaft nennt diesen Vorgang "Oxidation".

Viele Auslöser

Auslöser gibt es viele: "Man findet Freie Radikale in hocherhitzten Stoffen, beispielsweise beim falsch durchgeführten Grillen", erläuterte Piero Lercher, Präventivmediziner an der Universität Wien. "Sie entstehen durch starke körperliche Belastung wie Leistungssport und psychischen Stress. Man findet sie auch in minderwertigen Badezusätzen und durch Schwermetalle belasteten Kosmetika. Wasserstoffperoxid ist ein klassisches Freies Radikal. Aber sie sind eben auch in Medikamenten enthalten und hier hocherwünscht."

Durch die Atmung

Einen Teil der Oxidantien, denen er ausgesetzt ist, produziert der Körper schon allein durch die Atmung, sagte Lercher. Bis zum 70. Lebensjahr müsse der Mensch daher um die 1.700 Kilogramm an Freien Radikalen bewältigen, zusätzliche Belastungen durch abträgliche Lebensführung sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Positive und negative Auswirkungen

Freie Radikale können laut Lercher unter anderem eine erhöhte Infektanfälligkeit, eine Neigung zu Allergien, sogar Krebserkrankungen auslösen. Außerdem werden sie für Hautalterung verantwortlich gemacht: Pigmentveränderungen, Falten, Trockenheit. "Aber sie bekämpfen eben auch Krebs, Viren und Bakterien. Anzustreben ist daher ein Gleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien", meint der Arzt. "Bester Schutz ist ein gesunder Lebensstil mit moderater Bewegung, ausgeglichener Ernährung, nicht zu viel Sonne und ausreichend Ruhe."

Die sogenannten "Radikalfänger"

"Radikalenfänger", so genannte Antioxidantien mit Zellschutzwirkung, können eines ihrer Elektronen abgeben, ohne selbst radikal zu werden. So wird die zerstörerische Kettenreaktion unterbrochen. Man kann sie essen - zum Beispiel Carotinoide (Karotten, Rote Rüben), Phytosterine (Pflanzensamen, Nüsse) und Polyphenole (Trauben). In der Kosmetik oft eingesetzt werden die Vitamine A, C und E. Besonders viel davon findet man in Brokkoli.

"Studien zufolge wirken aber nur etwa zwei Prozent der durch die Nahrung aufgenommenen Antioxidantien in der Haut", sagte Irmgard Heinzl, Brand Managerin eines Kosmetikherstellers.

Extreme Belastung durch Genussmittel

Genussmittel wie Alkohol und Tabak führen übrigens zu einer massiven Freisetzung von Oxidantien, geht aus zahlreichen Studien hervor. "Ein Zug an einer Zigarette setzt in der Lunge 100 Billionen Freie Radikale frei", sagte Linda Zajer. Noch schlimmer: Bei einem Flug von Wien nach Los Angeles entstehe durch Strahlung eine Belastung "wie von 200 gerauchten Zigaretten". (APA)

  • Brokkoli gilt als "Radikalfänger" und ist besonders reich an Mineralstoffen, Vitamin C und Provitamin A
    foto: ama/rita newman

    Brokkoli gilt als "Radikalfänger" und ist besonders reich an Mineralstoffen, Vitamin C und Provitamin A

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