FGM: Verstümmeltes Leben

15. März 2007, 16:45
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SP-Frauen wollen auf "Betroffene hören" und Männer mit ins Boot nehmen - Grüne: Genitalverstümmelung als Asylgrund anerkennen

Wien - Einen dringenden Appell zum Kampf gegen die in zahlreichen Ländern nach wie vor praktizierte Genitalverstümmelung bei Frauen haben prominente Politikerinnen in Wien erlassen. "Wir müssen alles tun, damit weibliche Genitalverstümmelung der Vergangenheit angehört", rief Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) am Montag bei einer Pressekonferenz anlässlich des internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar auf.

Auf Betroffene hören

Prammer forderte, dass vor allem "die Männer ins Boot" geholt werden müssten, um "female genital mutilitation (FGM)" zu unterbinden und klar zu machen, dass derlei Praktiken nicht tolerierbar seien. "Bisher wurden wichtige Schritte gesetzt, man darf aber nicht die Hände in den Schoß legen", so Prammer weiter. Bei der Ausarbeitung von Lösungsansätzen sei "auf Betroffene zu hören", schließlich brauche jedes Land unterschiedliche Lösungsansätze. Von europäischer Ebene gelte es überdies, die Betroffenen zu stärken, Armut und Analphabetismus zu bekämpfen sowie Aufklärung und Unterstützung zu leisten - dann könnte FGM schon bald der Vergangenheit angehören.

Beratungsinstanzen aufbauen

Ein Hauptaugenmerk müsse bei der Bekämpfung auf Prävention gelegt werden, Gerichtsverfahren alleine würden zu keinen Änderungen führen, warnte die Nationalratspräsidentin. Es sei deshalb notwendig, Beratungsinstanzen aufzubauen, um Verstümmelungen im Vorfeld zu erkennen und verhindern zu können.

Zur Lage in Österreich sagte die Sprecherin von "stopFGM", die SPÖ-Politikerin Petra Bayer, dass es hierzulande fast keine Verstümmelungen gebe, die meisten würden bei Auslandsaufenthalten durchgeführt werden. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei aber, dass auch dies nun strafrechtlich verfolgt werden könne. Explizit hingewiesen wurde auf die Tatsache, dass sich religiöse Gemeinschaften ganz klar von FGM distanzieren und diese nicht religiös begründet seien. Religion und religiöse Würdenträger seien in der Lage, einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung von Genitalverstümmelung bei Frauen beizutragen.

Rechtfertigungen nicht zulässig

"FGM ist eine der grausamsten Formen der Gewalt gegen Frauen. Die Betroffenen haben ihr Leben lang unter massiven gesundheitlichen und psychischen Problemen zu leiden. Keinerlei kulturelle oder religiöse Gründe können als Rechtfertigung akzeptiert werden", erklärte auch Frauenministerin Doris Bures (S) in einer Presseaussendung.

Genitalverstümmelungen bei Frauen gehören in vielen Kulturkreisen Afrika und Südostasiens zu einer Jahrtausende alten Tradition. Es wird geschätzt, dass aktuell weltweit etwa 155 Millionen Frauen Opfer sexueller Verstümmelungen sind.

Grüne: Genitalverstümmelung als Asylgrund anerkennen

Brigid Weinzinger, die Frauensprecherin der Grünen, forderte, dass drohende Genitalverstümmelung in Österreich offiziell als Asylgrund anerkannt werden sollte. Bisher hätten in den letzten 15 Jahren nicht mehr als drei betroffene Frauen Asyl erhalten und zwar aus 'humanitären Gründen', worauf kein Rechtsanspruch bestehe. "Eine Novelle des Fremdrechtsgesetze, damit insbesondere die Genitalverstümmelung als Asylgrund anerkannt wird, muss daher rasch umgesetzt werden", so Weinzinger.

Im Asylverfahren müsse überdies das Recht verankert werden, nur von weiblichen Beamtinnen einvernommen zu werden. Auch das geltende Neuerungsverbot dürfe keine Anwendung finden. "Genitalverstümmelung ist ein schwerwiegender Eingriff in die körperliche und sexuelle Integrität von Frauen. Daher muss im Asylverfahren sichergestellt werden, dass Frauen darüber sprechen können", so Weinzinger abschließend. (APA/red)

  • Anlässlich des Internationalen Tages
gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) am 6. Februar veranstaltete die Sozialistische Jugend Österreich (SJ) am Montag die Aktion "Stoppt Genitalverstümmelung!" auf dem Wiener Ballhausplatz.
    foto: sj/wolfdietrich hansen
    Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) am 6. Februar veranstaltete die Sozialistische Jugend Österreich (SJ) am Montag die Aktion "Stoppt Genitalverstümmelung!" auf dem Wiener Ballhausplatz.
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