Reaktionen: "Die Innenpolitik entscheidend gewandelt"

5. März 2007, 13:39
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Die Politik würdigt Alfred Worms Verdienste im Kampf gegen Korruption

Mit großer Betroffenheit und tiefer Erschütterung hat die Politik auf den Tod des Journalisten Alfred Worm reagiert. Vertreter aller politischen Richtungen würdigten seine journalistischen Leistungen und seinen Beitrag für die Demokratie. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) nannte Worm "die Personifikation der journalistischen Integrität" und einen "streitbaren Anwalt für eine saubere Gesellschaft". Für Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) war Worm "ein Symbol für aufrechten und kritischen Journalismus".

"Mehr als ein bloßer Chronist von Ereignissen"

Gusenbauer erklärte, Worm sei nicht nur einer der profiliertesten Journalisten Österreich gewesen. "Er war auch mehr als ein bloßer Chronist von Ereignissen. Er hat sich stets und vordringlich als Anwalt für eine Gesellschaft verstanden, in der das Gesetz und nicht die Macht bestimmend sein sollten. Sein legendärer Einsatz für Gerechtigkeit, sein Verständnis für einen sauberen Staat und sein Kampf gegen Korruption haben die österreichische Innenpolitik entscheidend gewandelt. Sein Auftreten, das zunächst als Kampf gegen die Windmühlen erschien, hat tatsächlich die Macht dieser Windmühlen unter Beweis gestellt." Österreich habe mit Worm "seine Galionsfigur des kritischen Journalismus verloren", sagte der Bundeskanzler.

"Symbol für aufrechten und kritischen Journalismus"

Molterer meinte, "Österreich verliert mit Alfred Worm ein Symbol für aufrechten und kritischen Journalismus und einen wertvollen Menschen. Konsequent und professionell, dabei stets menschlich fair und fundiert richtete Worm seinen Augen auf jene Themen, die bewegten", erklärte der Vizekanzler. "Bis zuletzt ging er ganz in seinem Beruf auf, der für ihn Berufung war. Als Aufdecker im positiven Sinn des Wortes war er stets auf der Suche nach der Wahrheit. Worm war und bleibt damit ein Vorbild für viele Nachwuchs-Journalisten in Österreich." ÖVP-Klubobobmann Wolfgang Schüssel erinnerte daran, dass Worm nicht nur ein unbestechlicher und sehr produktiver Medienmann gewesen sei, sondern sich auch als Buchautor und kurzzeitiger Politiker für die ÖVP zahlreiche Verdienste erworben habe.

Beitrag für "mehr Transparenz und politischer Kultur"

Für Kulturministerin Claudia Schmied (S) hat Worm den investigativen Journalismus in Österreich mitgeprägt und "durch seine Enthüllungen zu mehr Transparenz und politischer Kultur in unserem Land beigetragen". Die auch für Medien zuständige Frauenministerin Doris Bures (S) verwies darauf, dass sich Worm einen erstklassigen Ruf als Enthüllungs- und Aufdeckungsjournalist erarbeitet habe und auch über die Landesgrenzen hinweg höchst anerkannt gewesen sei.

Für ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer war Worm "mehr als nur Journalist und wird uns als Aufdecker vieler Skandale in Erinnerung bleiben. Dafür gebührt ihm unser Dank." Ohne ihn "wäre manches in der Dunkelheit geblieben", sagte Hundstorfer. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl würdigte Worm als großartigen Journalisten, dem die Wahrheit stets am Herzen lag, als starken Charakter und liebenswerten Menschen.

"Mutiger und kritischer Journalist"

Der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen bezeichnete den verstorbenen "News"-Herausgeber als "mutigen und kritischen Journalisten, der viele Missstände in der Republik aufdeckte und anprangerte. Worm repräsentierte im besten Sinne die vierte Gewalt im Staat. Sein Umgang damit war immer von hoher Verantwortung geprägt."

"Große Verdientste um die politische Sauberkeit"

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache anerkannte, dass Worm die österreichische Medienlandschaft ganz wesentlich geprägt habe. Gerade als Aufdeckungsjournalist habe er sich um die politische Sauberkeit in diesem Land große Verdienste erworben. Strache verheimlichte auch nicht, dass es zwischen der FPÖ und Worm immer große Auffassungsunterschiede gegeben habe, Worm habe das Gespräch aber nie verweigert. Er sei immer um Fairness bemüht gewesen und habe Handschlagqualität bewiesen. Worm hinterlasse eine Lücke, die schwer zu schließen sein werde, sagte Strache.

Respekt

BZÖ-Obmann Peter Westenthaler würdigte Worm als engagierten und couragierten Journalisten, der den Journalismus in Österreich "geprägt und wesentlich mitgestaltet" habe. Westenthaler gestand manche inhaltliche Distanz ein, trotzdem sei ihm für sein journalistisches Werk und Engagement Respekt zu zollen. Worm sei einer der besten investigativen Journalisten Österreichs und ein tragender Teil des Journalismus gewesen.

Auch der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (B) bedauert das Ableben Worms zutiefst. Mit diesem habe ihn "eine lebenslange Feindschaft" verbunden, die in den vergangenen Jahren zu einer Freundschaft geworden sei, sagte Haider, der sich mit Worm mehr als 70 Mal vor Gericht bekämpft, zuletzt aber mit ihm gemeinsam das Buch "Ein Streitgespräch mit Jörg Haider" herausgebracht hatte. (APA)

  • Wiener AKH: Worms bekanntester Skandal.
    foto: standard

    Wiener AKH: Worms bekanntester Skandal.

  • "Worms neue Fälle": "profil"-Cover 1981.
    foto: standard

    "Worms neue Fälle": "profil"-Cover 1981.

  • Religion statt Skandale: "Jesus"-Cover 1993.
    foto: standard

    Religion statt Skandale: "Jesus"-Cover 1993.

  • Wieder an den Akten: Worm und die Bawag.
    foto: standard

    Wieder an den Akten: Worm und die Bawag.

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