Lugner sieht von Klage gegen Weihbischof Laun ab

15. März 2007, 16:47
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Katholische Kirche übt weiter Druck auf Unternehmer aus: "Gewissensfrage"

Wien - Promi-Baumeister Richard Lugner sieht nun doch von einer Klage gegen den Salzburger Weihbischof Andreas Laun ab. Er mache "dem 'launigen' Bischof" ein Friedensangebot, sagte Lugner am Sonntag zur APA: "Ich lade ihn zu einer Wallfahrt nach Mariazell ein."

Eine Klage wegen Rufschädigung hätte er zwar gewonnen, glaubt Lugner, der Baumeister zeigte sich aber versöhnlich: "Der liebe Gott sagt, wenn dir einer auf die Wange schlägt, halte auch die andere hin. Das sollte Laun auch beherzigen."

Kirche übt weiter Druck auf Lugner aus

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn äußerte sich "empört" und "erschüttert" über die neue Abtreibungspraxis im Einkaufszentrum "Lugner City". "Die Vernichtung von Leben darf nicht banalisiert und wie eine Einkaufstour gewertet werden", sagte Schönborn der "Neuen Kronen Zeitung" (Montag-Ausgabe). Er habe Baumeister Richard Lugner persönlich ins Gewissen geredet, aber nicht in Betracht gezogen, ihn zu exkommunizieren, so der Kardinal nach Angaben der Zeitung.

Schönborn verteidigt Demonstrationen

Schönborn wollte die Aussage des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun nicht kommentieren, Lugner habe sich durch die Zulassung des sexualmedizinischen Zentrums in seinem Einkaufszentrum selbst aus der Kirche ausgeschlossen. Lugner müsse sich aber die "Gewissensfrage" stellen, ob Leben und Tod auf diese Weise banalisiert werden dürfen, "selbst wenn er sagt, keinen Einfluss auf eine Schließung dieser Praxis nehmen zu können", so Schönborn. Auch müsse erlaubt sein, dass Menschen gegen die Praxis demonstrieren. In dem sexualmedizinischen Zentrum sollen auch Abtreibungen durchgeführt werden.

Der Erzbischof bekräftigte die strikte Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs durch die katholische Kirche. "Alles, was man über Abtreibung wissen muss, steht im 5. Gebot (Du sollst nicht töten, Anm.)", so Schönborn. Das Leben beginne mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, "auch ungeborene Kinder sind Menschen, die man nicht töten darf".

Rolle der Verhütung

Der Kardinal ist der strittigen Ansicht, dass die Zahl der Abtreibungen durch die Verhütung nicht geringer geworden sei. Dass Frauen heute keine Kinder in die Welt setzen wollen, lässt der Kardinal nicht als Argument gelten. "Unsere Mütter und Großmütter haben so viele Kinder unter wesentlich härteren Bedingungen geboren und aufgezogen. Es ist möglicherweise eine Krankheit der Zeit, so etwas wie eine Glücks- und Wohlstandsgarantie zu erwarten."

Schönborn verurteilte aber auch die Stigmatisierung un- oder außerehelich geborener Kinder durch die Kirche. Eine aktivere Rolle bei der Hilfe für diese Menschen stünde auch vielen Priestern gut zu Gesicht, zitiert die "Kronen Zeitung" den Sohn einer allein erziehenden Mutter. Heute sei die Toleranz solchen Fällen gegenüber zwar größer, "aber auch die Vereinsamung", sagte Schönborn.

Kirchenrechtler: Auch ohne Exkommunikation schwere Sünde

Auch der Wiener Kirchenrechtler Alexander Pytlik forderte Baumeister Richard Lugner auf, im "Zentrum für Sexualmedizin" in der "Lugner City" Abtreibungen zu verbieten. Pytlek meinte im Bezug auf die Exkommunikations-Diskussion am Sonntag in einer Aussendung, auch im Fall eines Nichteintritts einer bestimmten Kirchenstrafe liege noch kein Freispruch im moralischen Sinn vor. "Schwere Sünde bleibt schwere Sünde, auch ohne exkommuniziert zu sein".

Der Pressesprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Erich Leitenberger, hatte zuletzt die Aussagen von Laun in der Abtreibungsfrage als "kontraproduktiv" kritisiert. Ohne Laun namentlich zu nennen, warnte er davor, das Engagement gegen die Abtreibung "der Lächerlichkeit preiszugeben". "Akademische Diskussionen über Exkommunikation helfen sicher nicht, einem einzigen Kind das Leben zu retten", so Leitenberger. (APA)

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