TV-Hacker vs. Pay-TV-Industrie: Gesetzgebung hält nicht mit

15. Februar 2007, 10:37
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Piraterie hat Verbindungen zu Terroristen und Menschenhändlern

Das Wachstum digitaler Premium-Angebote wie Pay-TV und kostenpflichtige Inhalte auf Abruf wird zunehmend durch Piraterie bedroht. Daher fordert die Association Europeene pour la Protection des Oeuvres et services Criptes (AEPOC) im Rahmen des 4. Anti-Piraterie-Symposiums in Genf, eine strengere und einheitliche Gesetzgebung innerhalb der EU, um verschlüsselte Inhalte gegen Angriffe zu schützen. "Durch die Multiplizierung und Verfügbarkeit von Inhalten auf unterschiedlichsten Verbreitungswegen - kurz Content Everywhere - steigt auch das Risiko für Piraterieangriffe. Aber die Gesetzgebung hält mit dem vom Internet beschleunigten technologischen Fortschritt nicht mit", heißt es aus der AEPOC, die vergangene Woche ihr zehnjähriges Bestehen feierte, gegenüber pressetext.

"Nicht weit genug"

Immerhin hat sich seit Bestehen der AEPOC, die Schwachstellen in der Gesetzgebung sucht, Gesetzesvorschläge kommentiert und die Situation beobachtet, auf Gesetzgeberseite einiges getan. Vor drei Jahren trat in Deutschland das Zugangskontrolldienstschutzgesetz in Kraft. "Mit Einführung des Gesetzes hatten wir endlich bessere Möglichkeit gegen diese kriminellen Machenschaften vorzugehen. Dennoch geht das Gesetz noch nicht weit genug", betont Michael Jachan, Sprecher bei Premiere Deutschland, im Gespräch mit pressetext. "Die Verschlüsselungsdienstleister von Premiere haben ein breites Arsenal an technischen Maßnahmen, um Piraterieversuche abzuwehren. Juristisch wird Premiere ebenfalls gegen Piraterieversuche vorgehen", so Jachan weiter. Beide Unternehmen hätten sich darauf verständigt, aus taktischen und sicherheitstechnischen Gründen keine weiteren Details zu möglichen Antipirateriemaßnahmen zu nennen.

Hobby

Dass diese Form der Piraterie kein Kavaliersdelikt, sondern ein schweres Verbrechen sei, darauf wies Raymond Leinster von der britischen Organisation Federation against Copyright Theft (FACT), bereits beim vergangenen Anti-Piraterie-Symposium der AEPOC im Dezember 2005 hin. "Die Verbreitung von gestohlenen Inhalten und Hackertools wird oft als Hobby von ein paar wenigen Computerfreaks heruntergespielt, obwohl dieses Phänomen zunehmend dazu beiträgt Terrororganisationen und Menschenhandel zu finanzieren", warnte Leinster.

Verluste

Wie hoch die Verluste sind, die den Anbietern von Pay-TV-Angeboten dadurch entstehen, sei laut AEPOC schwer einzuschätzen. Darüber hinaus ist die Piraterie für die Anbieter auch aus sicherheitstechnischen Gründen ein hochsensibles Thema, über das nur ungern gesprochen wird. Allerdings schätzt die AEPOC, dass jährlich rund eine Mrd. Euro für die Ausstattung mit Piraterie-Tools ausgegeben werde. Bei Gründung der AEPOC 1997 wurde der Schaden auf 200 Mio. Euro beziffert.

Smart-Cards und digitale Decoder für den Empfang der Signale gefälscht

Die Piraterie von audiovisuellen Inhalten hat zwei verbreitete Formen: Der Diebstahl verschlüsselter, digitaler Pay-TV-Inhalte durch Privatpersonen und die illegale Übertragung von urheberrechtlich geschützten Inhalten durch lokale TV- und Kabelsender. In beiden Fällen werden Smart-Cards und digitale Decoder für den Empfang der Signale gefälscht. Um an diese Geräte heranzukommen gibt es Händler und Fernsehtechniker, die an Kunden gehackte Smart-Cards billiger verkaufen. Den Schaden würden laut AEPOC Urheberrechtsinhaber, Händler und legale Nutzer von Pay-TV-Inhalten tragen, die höhere Abokosten in Kauf nehmen müssten. Außerdem bremse diese Form der Piraterie Innovationen und wirke sich negativ auf Arbeitsplätze aus, so die AEPOC.(pte)

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