Kritik an Schwesternteams wächst

13. März 2007, 14:37
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Toro Rosso und Super Aguri am Pranger - Ber­ger: "Haben das Recht dazu" - Konkurrenz vermutet: Neuer STR2 ein "Abklatsch" des RB3

Wien/Monaco - Sechs Wochen vor dem Saisonbeginn 2007 wächst in der Formel 1 der Widerstand gegen jene Teams, die heuer angeblich Kunden-Chassis ihrer großen Schwesterteams verwenden. Konkret gehen die Vorwürfe gegen Toro Rosso und Super Aguri, die auf das Know-how von Red Bull Racing bzw. Honda zurückgreifen. Williams und Spyker haben sich deshalb Beschwerden bei der Motorsport-Weltbehörde (FIA), ja sogar Klagen vor Zivilgerichten vorbehalten.

"Der WM-Titel soll an jenes Team gehen, das das beste Auto baut", wurde Frank Williams, Teamchef von Alexander Wurz, unlängst in "The Guardian" zitiert. Das sei aber nicht der Fall, wenn die großen Teams jetzt schon Kunden-Chassis' an ihre Schwesternteams weitergeben. Erst 2008 soll das erlaubt sein.

Theissen kritisiert

"Derzeit steht schwarz auf weiß geschrieben, dass jedes Team sein eigenes Auto entwickeln und bauen muss", betonte Williams. Auch Mario Theissen von BMW-Sauber kritisierte: "Wenn das alle tun, haben wir bald nicht mehr zehn Teams mit jeweils zwei Autos sondern nur noch fünf Teams mit jeweils vier Autos."

Bei Red Bull, unter dessen Dach Red Bull Racing (RBR) und die aus dem Minardi-Team hervorgegangene und in Faenza/Italien ansässige Scuderia Toro Rosso (STR) fungieren, geht man mit der Kritik gelassen um. Dort beruft man sich darauf, dass die Formel-1-Chassis nicht von Red Bull Racing, sondern von der ebenfalls in Milton Keynes sitzenden Red Bull Technology entwickelt werden, also jenem High-Tech-Center, in dem auch Boote und Flugzeuge entwickelt werden und das laut Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger "nicht Teil der Formel 1 ist."

"Toro Rosso hat die geistigen Rechte am Auto"

Es liegt freilich auf der Hand, dass STR die Synergien nutzt und nicht nur auf alle gemeinsamen Daten Zugriff hat, sondern natürlich auch von den aerodynamischen Erkenntnissen des Red-Bull-Designergenies Adrian Newey profitiert. Berger hielt aber dezitiert fest: "Toro Rosso hat die geistigen Rechte am Auto. Laut den Regeln und dem Concorde-Abkommen haben wir also das Recht zu tun, was wir tun."

Auch RBR-Teamchef Christian Horner beharrte: "Red Bull Racing und Toro Rosso sind zwei Teams und zwei unterschiedliche Unternehmen. Sie fahren in den Grand Prix' gegeneinander und entwickeln keine gemeinsamen Strategien."

Auto als Abklatsch?

Die Konkurrenz mutmaßt hingegen längst, dass der STR2, der heuer mit dem im Vorjahr von RBR verwendeten Ferrari-Motoren fährt, bestenfalls ein Abklatsch des neuen RB3 sein wird. Gespannt sieht man daher der Präsentation des neuen Toro-Rosso-Autos entgegen. Das im Besitz von Berger und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz befindliche Minardi-Nachfolgeteam hat sein 2007er-Auto noch nicht vorgestellt und auch die Piloten Vitantonio Liuzzi und Scott Speed noch immer nicht bestätigt.

Der neue, erstmals komplett von Newey konstruierte RB3 war hingegen schon am 26. Jänner präsentiert worden. Berger war dabei gehänselt worden, er würde schon sein eigenes, neues Auto sehen können. Unverkennbar dabei war die Ähnlichkeit zum McLaren-Konzept gewesen, mit dem Newey in den 1990er Jahren WM-Titel geholt hatte.(APA)

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    Theissen: "Bald fünf Teams mit jeweils vier Autos"

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