Warum ich Online-Werber nicht mag

6. Februar 2007, 13:01
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Jahrelang wurden sie wie der letzte Dreck behandelt - Und jetzt rächen sie sich ... - Von Sebastian Kainz, DDB Berlin

Jahrelang wurden sie wie der letzte Dreck behandelt. Jahrelang wurden sie nicht in Meetings geladen, bekamen die Layouts am Tag vor der Präsentation um dazu einen Banner zu machen. Und jetzt rächen sie sich. Und wollen alles. Ja, sie wollen uns fertig machen.

Dass klassische Werbung tot ist, hört man schon, seit dem es Online-Werbung gibt. Passiert ist bisher recht wenig. Aber vor kurzem, in einem Internetwerbung-Seminar, sagten uns die Onliner erneut durch die Blume: "Hopp, hopp, auf zur Umschulung, wir übernehmen den Laden jetzt!"

Fünf Gründe, warum die Onliner das womöglich wirklich glauben

1) Wir können jetzt 3D-Flüge durchs Auto machen, also können wir auch TV-Spots machen!

2) Wir können jedes Auto 3D-rendern und in jede beliebige Umgebung stellen, also braucht euer eingebildeter Art Direktor nicht mehr zum Shooting nach Südafrika (das Grinsen entgleist zur Grimasse)!

3) Konzepte können wir erst recht, sonst könnten wir wohl keine zigfach verschachtelte Homepage bauen.

4) Im Gegensatz zu eurem Imagegeschwafel kann der Kunde unseren Erfolg messen! Klick für Klick!

5)Und haben wir dem Kunden erstmal eine pflegeintensive Struktur verkauft, ist er schön von uns abhängig, unser Umsatz ist jetzt schon höher als der klassische...blabla

Fünf Gründe, warum ich vom Gegenteil überzeugt bin

1) Weil der Online-Programmierer meistens das machen will, was gerade noch technisch machbar ist, egal ob es Sinn macht oder nicht. Und dann steht der ratlose Verbraucher vor einem Waschmittel-City-Light, das in der Lage ist, Barry White-Songs auf sein Handy zu übertragen.

2) Weil der Online-Manager gerne in den ersten Meetings vor Präsentationen alles verspricht und gegen Ende hin recht wenig liefert.

3) Weil es pervers ist, dass Online-Verkäufer jede Woche einen neuen Banner samt hochtrabenden Namen erfinden, obwohl man weiß, dass Menschen das hassen. Die Pop-Ups (Wer erinnert sich?) sind Gott sei Dank den schnellen Tod gestorben.

4) Gegen einen Banner, der aufpoppt und blinkt ist eine Print-Anzeige geradezu eine Wohltat fürs Auge.

5) Weil Online nur ein Kanal von vielen ist, den die Onliner durch ihre tägliche Arbeit als viel zu dominant wahrnehmen.

Fazit: Ja, auch bei uns werden TV-Spots bald aussterben, aber ich behaupte mal, dass man gekonnte Online-Kampagnen nur machen kann, wenn man die Klassik beherrscht. Oder sieht das jemand anders?

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Hier machen sich Agenturchefs und Kreative Gedanken über Werbung und die Welt.
  • Sebastian Kainz ist Senior Copywriter bei DDB Berlin 
und betreut Kunden wie Volkswagen, Nike und "Bunte"
Er ist Mitglied des CCA sowie ADC Deutschland.
    foto: ddb

    Sebastian Kainz ist Senior Copywriter bei DDB Berlin und betreut Kunden wie Volkswagen, Nike und "Bunte" Er ist Mitglied des CCA sowie ADC Deutschland.

  • Aktuelle Printkampagne von Sebastian Kainz und Marc Wientzek für den Kunden Volkswagen.
    foto: kainz

    Aktuelle Printkampagne von Sebastian Kainz und Marc Wientzek für den Kunden Volkswagen.

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    foto: kainz
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