Kurzsichtigkeitsgen im Erbgut

18. Juli 2000, 15:46

Genetischer Auslöser führt zu Kurzsichtigkeit

München - Wenn die Eltern eine Sehschwäche ab etwa minus sechs Dioptrien haben, geben sie diese Veranlagung mit großer Wahrscheinlichkeit an ihre Kinder weiter. "Wir wissen jedoch nicht, bei wie viel Prozent der Kinder sich der Defekt im Bauplan befindet", wird der Humangenetiker Thomas Meitinger von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinikum Innenstadt, in FOCUS zitiert. Meitinger hat sich auf die Erforschung der genetischen Ursachen von Augenkrankheiten spezialisiert.

Forscher vom National Institute of Health (NIH) www.nih.gov/ der USA und eine Gruppe um Richard King von der University of Minnesota http://www.umn.edu/ haben das Kurzsichtigkeitsgen auf Chromosom 18 ausfindig gemacht. Durch Familienstudien mit stark Kurzsichtigen konnten sie die ungefähre Stelle bestimmen, an der sich der genetische Defekt befindet. "Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie das Gen ganz genau identifiziert haben", so Meitinger. Würde dies gelingen, wäre dieses das erste bekannte reine Kurzsichtigkeitsgen. Hingegen ist die schwächere Nahsichtigkeit ein Geheimnis. Bisher seit nicht einmal gesichert, ob diese überhaupt von den Eltern an die Kinder weitergegeben werde.

Das dichte Arbeiten vor den Augen habe einen Einfluss auf die Kurzsichtigkeit. Aber die hätten auch die Gene. Dies hätten Vergleichsstudien in verschiedenen Ländern zeigen können. In Japan sind 95 Prozent, in Taiwan 70 Prozent aller Schulkinder kurzsichtig, in Deutschland dagegen nur zehn Prozent. Diese große Kluft ließe sich nicht allein mit unterschiedlichem Leseverhalten im Kindesalter erklären, sondern deute ebenfalls auf einen genetischen Auslöser hin.

Brille bleibt

Eine einfachere Abhilfe als die Brille, Kontaktlinsen oder eine Laseroperation gegen Kurzsichtigkeit scheint trotz Genfund nicht in Sicht. Auch nach der Entdeckung des Kurzsichtigkeitsgens wird es zumindest in absehbarer Zeit keine Pille gegen die Brille geben. Ebenfalls schließt Meitinger aus, dass stark kurzsichtige Eltern vor der Geburt ihrer Kinder diese bei einer Fruchtwasseruntersuchung auf die Fehlsichtigkeit testen lassen können. (pte)

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