Kindesweglegung:

18. Juli 2000, 14:45

Wien überlegt Maßnahmenpaket für werdende Mütter

Wien - Die Bundeshauptstadt Wien überlegt ein Maßnahmenpaket rund um die Problematik der Kindesweglegung. Nicht nur die Einführung einer so genannten "Babyklappe" - hier können Säuglinge durch eine Klappe in ein Wärmebettchen gelegt werden -, sondern auch die "anonyme Geburt" werden angedacht, so die Sprecherin der zuständigen Stadträtin Grete Laska (S).

Kindesweglegung strafbar

Derzeit wird das Projekt "Babyklappe" - es wurde von Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder (S) nach Hamburger Vorbild initiiert - im Justizministerium begutachtet, weil die Kindesweglegung in Österreich in jedem Fall strafbar ist. So kann bei einer Weglegung gleich eine Fülle von Paragrafen des Strafgesetzbuches (StGB) zur Anwendung kommen: § 82 "Aussetzung" droht mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug, § 92 "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen" und § 197 "Verlassen eines Unmündigen".

"Von dem Gutachten hängt jetzt alles ab", hieß es in Rieders Büro. Im Büro Laska verweist man daher auch auf die Notwendigkeit einer Novellierung der entsprechenden Gesetze.

"Man darf sich aber von solchen Einrichtungen nicht zu viel erwarten", rät man im Rathaus zur Vorsicht. Es gehe darum, dass das soziale Netz dichter geknüpft werde, und nicht, dass ein Angebot ein Allheilmittel darstelle.

Überfordert

"Viele Frauen sind einfach nach der Geburt völlig überfordert", erklärt Elisabeth Köppl, langjährige Sozialarbeiterin und für Kindesweglegungen zuständige Expertin des Amts für Jugend und Familie (MA 11). Weglegungen kämen entweder in der post-partalen Depression (Depression der Frau nach der Geburt, Anm.) vor oder als finaler Schlusspunkt einer verleugneten Geburt.

Post-partale Depression

"Die post-partale Depression kann jede Frau treffen, auch die wohlbehütete, gut situierte Frau, die gerade ihr Wunschkind zur Welt gebracht hat", betont Köppl. Hier melden sich die Betroffenen aber in der Regel binnen 24 Stunden wieder.

Panik

Anders verlaufe der Falle bei jenen Frauen, die in einer absoluten Krisensituation schwanger würden - oft auch von eigenen Verwandten und selbst kaum noch erwachsen. "Hier wird dann die Schwangerschaft schlicht verleugnet und ignoriert, bis es zur Geburt kommt." In diesem Fall sei professionelle Hilfe nur schwer möglich, weil sich die Frau erst nach der Geburt bewusst mit dem Kind auseinander setze und oft in Panik reagiere.

In Wien komme es pro Jahr im Durchschnitt einmal zu einer Kindesweglegung. "Die Tendenz ist aber steigend", meinte Köppl. (APA)

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