Deutschland relativiert EADS-Drohung

1. März 2007, 14:29
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"Machen unsere Interessen deutlich" - Konzern bestreitet, dass französische Werke bei Sparprogramm bevorzugt werden

Berlin/Hamburg - Die deutsche Regierung will im Streit über den Arbeitsplatzabbau beim Flugzeugbauer Airbus dem Mutterkonzern EADS nach eigenen Worten nicht drohen. Wirtschaftsminister Michael Glos sei mit seiner Drohung einer Überprüfung deutscher Rüstungsaufträge "vielleicht ein bisschen überinterpretiert" worden, sagte Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. "Wir machen unsere deutschen Interessen deutlich, aber wir drohen nicht."

Das Verteidigungsministerium machte zudem deutlich, dass eine Verminderung von Stückzahlen etwa für den Eurofighter kaum möglich sei. Die Verträge seien hier bindend, bekräftigte ein Sprecher. Im übrigen dienten die EADS-Rüstungsaufträge - darunter auch die Militärversion des Airbus und Militärhubschraubers Tiger - dem Ziel, den militärischen Bedarf der Bundeswehr zu decken. Dies sei nötig, um deren Auftrag zu erfüllen.

Glos hatte am Wochenende erklärt: "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge bei der Airbus-Konzernmutter EADS überprüfen."

Gespräche "nicht auf der Bühne"

Regierungssprecher Steg betonte, die Bundesregierung werde alle Möglichkeiten nutzen, die deutschen Interessen in Sachen Arbeitsplätze und Standorte bei EADS durchzusetzen. Dazu würden intensive Gespräche geführt. Aber: "Das trägt man nicht auf der Bühne aus." Es gehe nicht um Schlagzeilen, sondern um Ergebnisse.

Die deutsche Regierung gehe davon aus, dass die EADS-Konzernspitze in den nächsten Wochen ein Konzept vorlegen werde, das auch Zukunftsperspektiven aufzeige. Doch seien derzeit die Konsequenzen für einzelne Standorte noch unklar.

Die Opposition kritisierte unterdessen Glos scharf. "Solche populistischen Muskelspiele bringen nichts", sagte der FDP-Politiker Otto Fricke, Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, der "Neuen Presse" in Hannover. Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei sagte der "Frankfurter Rundschau", Glos kündige mehr an, als er tatsächlich einlösen könne.

Dagegen hat sich der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) hinter Glos gestellt. Es sei für ihn selbstverständlich, dass ein Unternehmen wie der Airbus-Mutterkonzern EADS bei Entscheidungen auch darauf achte, wie die Kunden darauf reagieren. "Ich bin mir auch sicher, dass der Vorstand in Toulouse berücksichtigen wird, dass Deutschland eben einer der größten Kunden bei EADS ist", sagte Uldall dem NDR. Mehr Einfluss könnte Deutschland durch die geplante Beteiligung von Hamburg, Niedersachsen, Bremen und anderen Bundesländern an EADS bekommen.

Enders "steht für Fairness"

Der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders hat Spekulationen um eine mögliche Bevorzugung Frankreichs bei der Umsetzung des Sparprogramms für die krisengeschüttelte Flugzeugtochter Airbus zurückgewiesen. Enders stehe dafür, dass das Sparprogramm Power 8 "fair und ausgewogen" umgesetzt werde, sagte ein EADS-Sprecher am Montag in München. "Herr Enders trägt eine politisch motivierte Linie, dass Belastungen für Frankreich vermieden werden, nicht mit."

Enders stehe auch dafür, dass Power 8 so umgesetzt werde, dass es die notwendigen Einsparungen und strukturellen Veränderungen bringe. Der EADS-Co-Chef habe dafür auch die Rückendeckung des deutschen Anteilseigners DaimlerChrysler, und er sei intensiv in die Vorbereitungen für Power 8 involviert, sagte der Sprecher.

EADS reagierte damit unter anderem auf Äußerungen des deutschen Wirtschaftsministers Michael Glos (CSU) vom Wochenende. Der Minister hatte dem Airbus-Mutterkonzern mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen gedroht, falls wesentliche Teile der Airbus- Produktion nach Frankreich verlagert werden sollten. "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge bei der Airbus- Konzernmutter EADS überprüfen", sagte Glos der "Bild am Sonntag". Die Bundesregierung ist nach Unternehmensangaben größter Einzelkunde der EADS.

(APA/dpa)

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