Die Krux mit der Förderung

3. Februar 2007, 13:00
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Frei finanziert oder doch lieber gefördert? WFV-Chef Jörg Wippel baut schon seit Jahren ohne Wohnbaufördermittel und erreicht dabei dennoch soziale Verkaufspreise

Mit dem geschäftsführenden Gesellschafter des Wohnbauträgers WFV sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Sie haben die so genannte "Sockelsanierungs-Förderung" maßgeblich mitbegründet. Mittlerweile sieht man aber kaum noch Projekte von Ihnen. Wollen Sie nicht mehr weitermachen?

Jörg Wippel: Begründer waren wir nicht. Das waren die Österreichischen und Wiener Institutionen, die Anfang der Achtzigerjahre das WSG (Wohnhaussanierungsgesetz, Anm.) und den Stadterneuerungsfonds geschaffen haben. Wir haben zwischen 1989 und jetzt an die 60 Total- und Sockelsanierungsprojekte realisiert. Für einen einzelnen Antragsteller ist das ziemlich viel. Was die Substandardbeseitigung betrifft, war Wien extrem erfolgreich. 1982 gab es noch an die 400.000 Substandardwohnungen. Heute ist der Substandardbestand auf zehn Prozent gesunken. Daher haben wir unseren Schwerpunkt auf Neubaueigentumswohnungen verlegt.

STANDARD: Sie sind heute im frei finanzierten Bereich tätig. Warum haben Sie dem sozialen Wohnbau abgeschworen?

Wippel: Nein, das haben wir nicht. Wir nennen unseren Weg deshalb auch ungern "freifinanziert", sondern sprechen lieber von "nicht gefördert". Damit drücken wir aus, dass wir Wohnungen hoher Qualität für die breite Masse errichten - also grundsätzlich für denselben Interessentenkreis, an den sich auch das geförderte Segment richtet.

STANDARD: Sehen Sie denn keinen Sinn mehr in der Wohnbauförderung?

Wippel: Ich bin nach wie vor ein absoluter Verfechter der Wohnbauförderung. Ich glaube sogar, dass Österreich ohne sie ein kälteres Land wäre. Im Übrigen gibt es praktisch in allen wohlhabenden Staaten, auch in den USA und Großbritannien, irgendeine Form der Wohnbauförderung.

STANDARD: Aber Sie nehmen sie nicht mehr in Anspruch?

Wippel: Die Verkaufspreise unserer Wohnungen bei zumindest gleicher Qualität sind grosso modo gleich hoch wie im geförderten Segment. Wir erzielen die betriebswirtschaftlich notwendigen Deckungsbeiträge und sind beim Kaufpreis für die notwendigen Grundstücke etwas flexibler.

STANDARD: Wie hoch sind nun Ihre Preise?

Wippel: Sie bewegen sich zwischen 1950 und 2250 Euro pro Quadratmeter, je nach Lage der Liegenschaft. Damit liegen wir bei 93 bis 98 Prozent des jeweils gültigen Immobilienpreisspiegels der Makler- innung.

STANDARD: Woher das Skonto? Sie sind doch kein Non-Profit-Unternehmen.

Wippel: Ohne Förderung sparen wir pro Projekt gut und gerne 18 Monate Abwicklungszeit. Und Zeit ist Geld. Wir arbeiten fast immer mit denselben Generalunternehmern zusammen, dafür aber ohne öffentliche Ausschreibung. Der Deal ist: Wenn wir jemanden zur Preisverhandlung einladen, kann er in der Regel davon ausgehen, dass er den Zuschlag für dieses, spätestens für das nächste Projekt auch bekommen wird. Das erspart viele Kalkulantenstunden. Deshalb wird entweder der Preis etwas niedriger oder die Ausstattung der Wohnungen etwas besser.

STANDARD: Also sind Sie letztlich ein Verfechter der Subjekt- anstelle der Objektförderung?

Wippel: Seit es in Wien eine deutlich verstärkte Subjektförderung gibt, sind die Wohnungspreise deutlich gestiegen. Der Konsumentenpreis ist abhängig vom Einkommen des Mieters und kann im Bedarfsfall durch Subjektförderung weiter reduziert werden. Dieses System hat mehr als nur positive Spuren hinterlassen. Hierzulande kommt jeder Bürger auf durchschnittlich 37 m² Wohnfläche. Weltweit haben nur die US-Amerikaner und die Schweizer mehr Wohnfläche zur Verfügung - und zwar bei deutlich geringerer Verteilungsgerechtigkeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.2.2007)

  • Jörg Wippel: "Ich bin ein Verfechter der Wohnbauförderung, ohne sie wäre Österreich ein kälteres Land. Doch ohne Förderung sparen wir Zeit. Und Zeit ist Geld."
    foto: wippel & co

    Jörg Wippel: "Ich bin ein Verfechter der Wohnbauförderung, ohne sie wäre Österreich ein kälteres Land. Doch ohne Förderung sparen wir Zeit. Und Zeit ist Geld."

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