Kopf des Tages: "Madame Klima" der UNO aus Oberösterreich

3. Februar 2007, 17:32
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Renate Christ, Co-Autorin des Klimareports der UNO

Der UN-Klimareport trägt eine österreichische Handschrift: Renate Christ ist seit drei Jahren Leiterin des Sekretariats der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), dem offiziellen Beirat der UNO in Klimafragen.

Das Interesse, das derzeit am Thema Klima besteht, findet Christ "überwältigend", die Massen an Reportern und Kameras bei der Präsentation am Freitag in Paris waren für sie "schier erdrückend". Was vor einigen Jahren vor allem eine Debatte unter Wissenschaftern gewesen sei, werde nun von fast allen diskutiert.

Christ ist für ihre Aufgaben auf dem internationalen Parkett seit 1992 vom Umweltministerium karenziert. Wie der frühere Umweltminister und nunmehrige Vizekanzler Wilhelm Molterer kommt die 53-Jährige aus dem Dorf Sierning, aufgewachsen ist sie in Schwanenstadt.

Während ihres Biologiestudiums in Salzburg hat sie sich mit saurem Regen und Waldsterben befasst. Bei einer der ersten Klimakonferenzen weltweit 1987 in Villach sei sie vom Umweltministerium, bei dem sie seit 1984 arbeitete, als Saurer-Regen-Expertin "hineingestoßen worden". Bei den Vorbereitungen zum Erdgipfel in Rio 1992 habe sie sich schon auf Klimafragen konzentriert. Anschließend folgte die Übersiedlung nach Nairobi zur UN-Umweltbehörde UNEP. Während der Kioto-Verhandlungen war sie nationale Sachverständige bei der EU-Kommission, dann ging sie zurück zur UNEP und dann zum IPCC nach Genf.

Trotz der vielen Übersiedlungen hat die kinderlose, unverheiratete Oberösterreicherin es geschafft, den Kontakt zur Heimat zu halten. Sie lebt in Genf, wo sie auch ihren Hobbys Segeln, Bergwandern und Skifahren nachgehen kann und komme häufiger nach Wien. Ihre Verbindung zur Heimat ist das ORF-Morgenjournal, das sie regelmäßig über Kabel auch in Genf hört. So halte sie sich zumindest über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in ihrer Heimat auf dem Laufenden.

In Österreich hat sie noch Freunde. Ihre Erfahrung: "Verbindungen, die über drei Jahre gehalten haben, bleiben." Schon vor sechs Jahren beim Weltklimagipfel in Bonn habe sie sich die Frage gestellt, "ob es nicht Zeit wäre, nach Hause zu gehen". Aber ihr mache die Arbeit in einer internationalen Gemeinschaft Spaß. In ihre Sprache mischen sich immer englische Begriffe. "Gerade bei Fachausdrücken fällt mir das schwer, diese ins Deutsche zu übersetzen."

Vor einigen Jahren habe sie sich beim Studieren der Klimamodelle gedacht, "um Gottes Willen, wenn das wirklich stimmt, dann ist das furchtbar. Jetzt ist das so, viele Fragen stellen sich gar nicht mehr." Insofern sei ihre Arbeit schon häufig frustrierend: "Wir können nur Entscheidungsgrundlagen liefern, entscheiden müssen andere." (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. - 4. 2. 2007)

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    foto: bohmann/dimko/krischanz
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