Ein Lokalaugenschein in Guatemala

6. Februar 2007, 16:45
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Kaffee aus erster Hand, von CECAPRO einer kleinen Bauernorganisation, die im Osten des Landes seit 18 Jahren EZA Kaffee produziert

Auf engen und steilen Pfaden geht es bergauf. Links und rechts leuchten feuerrote Kirschen an sattgrünen Sträuchern – Kaffee. Dazwischen hohe Schattenbäume – das schützt die empfindlichen Arabica Hochland-Sorten, die hier auf einer Höhe von über 1000 Metern vortrefflich gedeihen, vor zu intensiver Sonneneinstrahlung.

Österreicher ernten Kaffee

Der gut gelaunte Haufen, der sich – ausgerüstet mit noch leeren Körben – die Kaffeehaine hochkämpft, kommt trotzdem ins Schwitzen und wartet nur darauf, dass Anselmo endlich das Zeichen gibt: Es darf gepflückt werden. 20 ÖsterreicherInnen im Osten Guatemalas ernten Kaffee. Ein bisschen ist es wie Weinlese, sagen die einen, bei anderen werden Kindheitserinnerungen wach: Ribisel "brocken" in Mutters Garten – und der Strauch will und will nicht leer werden.

Von der Ernte leben müssen

Der Versuch einer Einordnung in vertraute Erfahrung, tausende Kilometer von zuhause entfernt und vielleicht auch Erleichterung, dass der Korb nicht voll, der Strauch nicht leer, der gefüllte Sack nicht auf dem Rücken zur Sammelstelle geschleppt werden und man selber nicht von dieser Ernte leben muss.

Verarbeitungsanlage in La Unión

Bruno Alvarez, aktueller Geschäftsführer der Kaffeebauernvereinigung CECAPRO, wird nicht müde zu erklären und zu zeigen. Die Kaffeekirschen müssen noch am Tag der Ernte weiter verarbeitet werden, deshalb hat die Organisation auch sieben lokale Anlagen aufgebaut. Für die wertvollen Arabica Hochlandsorten wird die Nassverarbeitung bevorzugt. Ohne Wasser geht hier gar nichts. Die Kirschen werden gewaschen, der Entpulper trennt das Fruchtfleich von den beiden Bohnen im Inneren der Kirschen. Im Fermentationsbecken löst sich der restliche Schleim.

Bis zum Rohkaffee

Von dort strömen sie eine lange Fließrinne entlang, werden gewaschen, geschwemmt und schließlich an der Sonne getrocknet. Noch sind sie von einer Pergamentschale umhüllt. Erst wenn diese entfernt ist, spricht man von Rohkaffee. Diesen letzten Schritt kann CECAPRO nicht selbst erledigen – die damit verbundene Investition in die nötigen Maschinen wären für die Organisation zu hoch. Im guatemaltekischen Verarbeitungsbetrieb COEX wird deshalb die Ware exportfertig gemacht.

Auf das Machbare konzentrieren

Als kleine Organisation mit rund 140 Mitgliedsfamilien konzentriert sich CECAPRO lieber auf das Machbare. Zum Beispiel auf den sorgsamen Umgang mit dem Schwemmwasser, das seit kurzem in verschiedenen Becken geklärt, gereinigt und wieder verwertet wird. Oder auf die Herstellung von biologischem Kompost. Als Beweis für die Fruchtbarkeit des Bodens gräbt Bruno zwei Hände voll Erde locker und hält den BesucherInnen das Ergebnis – gespickt mit fetten Regenwürmern – unter die Nase. Beachtlich.

Bio Anbau - keine Selbstverständlichkeit

Die Hinwendung zum Bio-Anbau war eine wichtige Weichenstellung und wird seit 1995 konsequent verfolgt. Selbstverständlich war das keineswegs. Skepsis und Zweifel mussten überwunden werden und es brauchte – wie so oft – ein paar, die vormachten, dass es funktioniert und sich lohnt. 30 Prozent der Produktion ist heute umgestellt und bio-zertifiziert, mittlerweile ist die Verpflichtung zum Bio-Anbau Aufnahmekriterium für neue Mitglieder.

Gemeinsam mehr bewegen

Davon hätte man zu Beginn des "Abenteuers" nicht zu träumen gewagt, erzählt Miriam, Brunos Frau. Die Anfänge der Kaffeebauernvereinigung gehen auf das Jahr 1987 zurück. Damals begannen sich rund 60 Familien zu organisieren – weil sich gemeinsam mehr bewegen lässt als allein, so die Überzeugung. Erste Kontakte wurden über einen Schweizer Entwicklungsarbeiter -"ein Spinner, aber im positiven Sinn", so Bruno – zur EZA in Österreich hergestellt.

Die Stunde Null

Bevor der erste Container den langen Weg nach Europa antreten konnte, wurde ein Qualitätsverbesserungsplan ausgearbeitet und umgesetzt. "Wir haben bei Null begonnen. Den ersten Container Kaffee haben wir auf dem Basketballplatz der Gemeinde getrocknet", beschreibt Miriam die Stunde Null. 1989 war es dann so weit. Der Export an die EZA wurde zum Schlüsselerlebnis für die Gruppe. Zum ersten Mal wurde ihr Produkt geschätzt und konnte zu einem sehr guten Preis unter Ausschaltung des Zwischenhandels verkauft werden.

Kaffee, das wichtigste Produkt

Seither hat sich vieles verändert. Auch für Juan und América Escalante. Die beiden bewirtschaften einen kleinen Hof mit fünf Hektar Land und haben CECAPRO mitbegründet. Ein paar Hühner, zwei Kühe, eine kleine Schneckenzucht und ein Fischteich – damit lassen sich ein paar Quetzales zusätzlich verdienen. Auf ihrem Grund haben sie Mandarinen- und Orangenbäume, Mangos, Bananenstauden und Mais gepflanzt.

Natürlich ist auch für sie Kaffee das wichtigste Produkt. Aber die Idee, die Produktion zu diversifizieren und so die einseitigen Abhängigkeiten zu verringern, haben die beiden wohl am konsequentesten von allen umgesetzt.

Ziegelhäuser und Schulen

"Der Faire Handel hat Spuren hinterlassen – sowohl bei den einzelnen Familien, als auch innerhalb der Organisation. Die faire Bezahlung war dabei sehr wichtig", sagt Bruno Alvarez. Wenn heute die Menschen mehrheitlich in Ziegelhäusern wohnen und nicht in Lehmhäusern, wenn sie gesünder sind, weil sie sich besser ernähren können, wenn der Schulbesuch der Kinder eine Selbstverständlichkeit ist, dann mache das einen Unterschied zu früher.

Neu aus Europa: Der Abhof Verkauf

Gerade in den letzten fünf Jahren mit extrem niedrigen Weltmarktpreisen für Rohkaffee haben die Kaffeebauernfamilien bei CECAPRO erlebt, was es heißt, sich auf Fairen Handel mit stabilen Preisen verlassen zu können. Günstige Kredite konnten vergeben werden, um Land anzukaufen, Jugendliche haben Stipendien für ihre Ausbildung erhalten. Derzeit entsteht ein neues Gebäude in La Unión – nichts Überdimensioniertes, denn an Prestigeobjekten hat bei CECAPRO keiner Interesse.

Platz für ein Büro soll sein, für einen Gesundheitsposten, ein kleines Café und ein Geschäft, in dem die Bauern ihre Produkte vor Ort verkaufen können – eine Idee, die beim Besuch von Ab-Hof-Läden in Österreich gewachsen ist. (EZA)

Reise nach Guatemala
Die EZA-Dritte Welt GmbH organisiert alljährlich Reisen für MitarbeiterInnen von Weltläden zu Partnerorganisationen der EZA.

20 Personen haben 2004 an der Reise nach Guatemala teilgenommen. Die Eindrücke wurden auf Video dokumentiert, welches unter dem Titel

"Orte der Zuversicht" in den Weltläden und bei EZA im Verleih erhältlich ist.

  • Zu Besuch bei CECAPRO
    foto: eza

    Zu Besuch bei CECAPRO

  • Kaffeekirschen nach der Ernte
    foto: eza

    Kaffeekirschen nach der Ernte

  • ENtwicklung der Kaffeeproduktion - Grafik von EZA
    grafik: eza

    ENtwicklung der Kaffeeproduktion - Grafik von EZA

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