Wir schaffen Inseln

15. Februar 2007, 15:30
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Kaffee ist nach Erdöl der wichtigste Roh­stoff am Weltmarkt - mit fair ge­han­delten Pro­dukten wird der Begriff "globale Marktwirtschaft" über die Kauf­ent­scheidung neu definiert

Mit Jute statt Plastik hat alles begonnen. Damals vor dreißig Jahren. Einige Wenige organisierten Partner in Guatemala und verkauften ihren Kaffee hierzulande in den Dritte Welt Läden. Eine kleine Nische war geboren, für einige Andersdenkende in der Zeit des schnellen Wachstums.

Knappe zehn Jahre später sah es schon ganz anders aus: "1985 hatten wir schon 60 Partner und einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro", erzählt Andrea Reitinger von der EZA, Fairer Handel GmbH, die dieser Tage das dreißigjährige Firmenjubileum feiern. Doch auch das war nur ein Anfang.

Fairtrade Gütesiegel

Acht Jahre später, mit der Gründung des Fairtrade Gütesiegelvereins, kam der Ball des fairen Handels so richtig ins Rollen. Heute werden über 200 besiegelte Produkte angeboten. 600 Partnerorganisationen in den Entwicklungsländern, die genossenschaftlich organisiert sind, liefern Kaffee, Tee, Reis oder sogar Blumen. 70 Prozent davon stammen aus biologischem Anbau. "Wir hatten vergangenes Jahr Steigerungsraten von 40 Prozent, das Jahr davor waren es 62 Prozent und für 2007 planen wir 30 Prozent," so Georg Gruber, Geschäftsführer des Fairtrade Gütesiegelvereins.

Trend zur Verantwortung

Zahlen wie diese zeigen eindrucksvoll den Trend zu Qualität und Ernährungsverantwortung. "Wenn man bedenkt, dass es hier um alltägliche Lebensmittel geht, dann sind das außergewöhnlich hohe Wachstumsraten, die darauf schließen lassen, dass die Idee fair einzukaufen von immer breiteren Bevölkerungsschichten angenommen wird."

Das hat auch zum Umdenken der Supermarktketten beigetragen. Heute ist es möglich bei Billa, Merkur oder Spar zu fair gehandelten Produkten zu greifen. "Dadurch konnten wir die Anzahl der Kleinbauernorganisationen im Kaffeebereich, mit denen wir direkte Handelsbeziehungen pflegen, deutlich ausweiten." berichtet Reitinger von der EZA.

Ohne Ausbeutung der Menschen und der Umwelt

Das Fairtrade Gütesiegel garantiert, in Kurzform gesprochen, dass sowohl bei der Produktion, als auch beim Handel weder Menschen, noch die Umwelt ausgebeutet werden. Das klingt einfach hat für Georg Gruber aber eine ganz gewichtige Garantie: "Da es ausschließlich um Produkte geht die in den ärmsten Ländern dieser Welt erzeugt werden, wissen wir, dass Kinderarbeit, Sklavenarbeit und brutale Naturzerstörung dort an der Tagesordung bleiben, wenn es nicht ein Regulativ gibt, dass genaue Standards setzt und die Einhaltung dieser Standards auch sehr genau kontrolliert."

Beispiel Kaffee

25 Millionen Bauern leben vom Kaffeeanbau. Mit ihren Familien gerechnet sind es, laut Fairtrade, mehr als fünf Millionen Menschen die weltweit vom fairen Handel profitieren. "Das heißt wir schaffen Inseln, wo wir demonstrieren: Man kann auch partnerschaftlich globalen Handel betreiben, so dass alle davon profitieren."

Die bewusste Kaufentscheidung im reichen Europa bringt laut EZA aber weitaus mehr als eine faire Entlohnung der Bauern: "Die Stärkung der kleinbäuerlichen Produktion wirkt der Landflucht entgegen, das soziale Engagement vieler Partnerorganisationen steigt. Vor allem in den Bereichen soziale Rechte, Kinderarbeit oder Gesundheit." Nicht zuletzt, weil auch das Selbstbewusstsein der Bauern zunimmt, denn: "Unsere Produzenten erhalten einen Teil der Kontrolle über Produktion und Vermarktung ihres Produktes durch Fairen Handel wieder zurück." (Andrea Niemann)

  • Produkte mit Fairtrade Gütesiegel
    foto: fairtrade österreich

    Produkte mit Fairtrade Gütesiegel

  • Fair gehandelter Kaffee befreit die Produzenten von den Schwankungen des Weltmarktes
    grafik: fairtrade österreich

    Fair gehandelter Kaffee befreit die Produzenten von den Schwankungen des Weltmarktes

  • Preisstruktur am Beispiel Bananen
    grafik: fairtrade österreich

    Preisstruktur am Beispiel Bananen

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