"Sind noch in der Phase der Wahrnehmung"

3. Februar 2007, 17:00
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Der gesellschaftliche Bewusstseinswandel erhöht den Druck auf Unternehmen, Insti­tutionen und Verwal­tung, Diversity in die Geschäftsprozesse zu implementieren

Ob nun Diversity Management hinsichtlich einer Profimaximierung, Innovations- und Produktionssteigerung oder im Zuge eines Emanzipierungsprozesses des Unternehmen implementiert werde, sei jedem selbst vorbehalten, waren sich die Diskutanten am Podium von diversityworks vergangenen Mittwoch in der Kunsthalle am Wiener Karlsplatz einig. Fakt sei, dass der gesellschaftliche Druck steige und kein Weg mehr am Thema vorbei führe – kein Unternehmen könne sich das leisten, auch aus ökonomischer Sicht nicht.

Zum Abschluss des Diversity Forum 06 – einer Lern-, Entwicklungs- und Umsetzungsgruppe zum Thema Diversity Management für EntscheidungsträgerInnen aus Privatunternehmen, öffentlichen Organisationen und NPOs – wurden sechs von insgesamt zehn am Forum beteiligten Unternehmens-Vertretern zur Diskussion geladen: Karoline Iber, Projektleiterin Diversity Management der Uni Wien, Bernhard Bouzek von Magistratsabteilung für Diversitätsangelegenheiten der Stadt Wien (MA17), Michael Musäus, Personalentwickler am Arbeitsmarktservice Wien (AMS), Wolfgang Grebner, Personalchef der Siemens Elin und Vertreter der Industriellenvereinigung (IV), Dominik Sandner, Trainer und Berater von diversityworks (prove Unternehmensberatung) und Erich Neuwirth, HR-Manager von TNT Express Austria.

Fünf größere Bereiche

Grundsätzlich könne Diversity Management auf fünf größere Bereiche, nämlich der Wahrnehmung, der Wertschätzung, der Förderung, des Managements und der Nutzung von Vielfalt herunter gebrochen werden, sagt Dominik Sandner. Allein die Implementierung dieser Prozesse sei bei den meisten Unternehmen zur Zeit weitgehend eindimensional. Viele fokussieren einen Themenbereich, etwa Gender, sagt er. Die Bereiche der sexuellen Orientierung oder der Konfession, so Sandner weiter, fielen weitestgehend unter den Tisch.

Man befinde sich noch im Stadium der Wahrnehmung, bestätigt Michael Musäus, werde aber versuchen in den nächsten zwei Jahren ein einheitliches Konzept zu entwickeln.

Tabuthemen

Nicht beim bereits mehrfach zum attraktivsten Arbeitgeber des Landes ausgezeichneten Unternehmen TNT Express Austria. Man habe ein Umfeld geschaffen, das zeige, dass man Diversity – in welcher Dimension auch immer – ernst nehme, sagt Erich Neuwirth, die "Tabuthemen" sexuelle Orientierung und Konfession mit eingeschlossen. Der TNT Mitarbeiterstab ist aus Vertretern aus 25 Nationen geformt, 46 Prozent der Mitarbeiter seien Frauen, 41 Prozent der Führungskräfte weiblich, ebenso wie ein Drittel des Senior Managements im Unternehmen.

Und auch den Verwaltungsapparat der Stadt Wien wird seit nunmehr drei Jahren von Mitarbeitern der MA 17 in Sachen Diversity beraten. Jede Abteilung, so Bernhard Bouzek, müsse ihrem eigenen Umfeld entsprechend Möglichkeiten und Schienen einer Diversity-Implementierung selbst herausfinden.

In der Uni Wien liege der aktuelle Aufgaben-Fokus im Diversity-Monitoring. Aus der erhobenen Datenmenge verspreche man sich die Ableitung von Kennzahlen, um im Rahmen der absehbaren Verringerung der Studentenzahlen (Demografie et al.) den Blick in die richtige Richtung zu legen. Das Themenfeld der älteren Arbeitnehmer, sagt Wolfgang Grebner, sei eines, das bei den meisten Unternehmen prioritären Status habe – am Fuße folgend Migration und Gender, sagt er. Da müsse jetzt etwas passieren. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe, 2./3.2.2007)

  • Am Podium von diversityworks (v.l.): Erich Neuwirth (TNT Express Austria), Dominik Sandner (diversityworks, prove Unternehmensberatung), Karoline Iber (Uni Wien), Karin Bauer (KarriereStandard), Wolfgang Grebner (Siemens Elin, iv), Michael Musäus (AMS Wien) und Bernhard Bouzek (MA 17).
    foto: hendrich

    Am Podium von diversityworks (v.l.): Erich Neuwirth (TNT Express Austria), Dominik Sandner (diversityworks, prove Unternehmensberatung), Karoline Iber (Uni Wien), Karin Bauer (KarriereStandard), Wolfgang Grebner (Siemens Elin, iv), Michael Musäus (AMS Wien) und Bernhard Bouzek (MA 17).

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