Rinderwahnsinn BSE und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit forderten bisher 67 Tote in Großbritannien

18. Juli 2000, 13:05

Europaweit 188.000 infizierte Rinder

Brüssel/Mamburg - Seit dem Auftreten des Rinderwahnsinns BSE sind in Großbritannien 67 Menschen an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD) gestorben. Sie haben sich höchstwahrscheinlich über den Genuss von Rindfleisch mit dem Erreger, einem krankhaft verändertem Prionen-Eiweiß, infiziert.

Neben Rindfleisch auch genetische Veranlagung schuld

Die normalen Prionen im Gehirn von Mensch und Rindern haben eine sehr ähnliche Struktur, wie kürzlich Züricher Forscher nachgewiesen hatten. Krankhaft veränderte Rinderprionen können demnach im Gehirn des Menschen gesunde Prionen zu kranken umformen. Allerdings spielt auch eine genetische Veranlagung dafür eine Rolle. Etwa 40 Prozent der Menschen haben nach bisherigen Erkenntnissen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zu erkranken, falls sie große Mengen des Erregers aufnehmen, sagte Dietrich Simon vom Berliner Robert-Koch Institut (RKI).

Aufsehenerregende Todesfälle

Aufsehen erregt hatten kürzlich vier nvCJD-Todesfälle in England. Allein drei von vier Todesfällen in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire im Jahr 1998 wurden mit einem 2.300-Einwohner-Dorf in Verbindung gebracht. Britische Forscher können jedoch nach wie vor nicht einschätzen, wie groß das Ausmaß der gesamten Epidemie wird.

188.000 infizierte Rinder

Von 1987 bis 1999 waren in zehn Ländern der Europäischen Union zusammen mindestens 188.000 Rinder infiziert. Nach Auskunft der EU-Kommission waren es in Großbritannien 177.940, in Irland 440, in Portugal 367, in Frankreich 92, in Belgien zehn und in Deutschland sechs. Außerdem registrierte die Schweiz seit November 1990 mehr als 340 Tiere mit BSE. Nach RKI-Angaben stammten alle in Deutschland registrierten erkrankten Rinder aus Großbritannien.

Die schwammartige Gehirnschädigung des Rindes (Bovine Spongiforme Enzephalopathie/BSE) war entstanden, weil Tierfutter-Hersteller in Großbritannien 1980 Schafskadaver zur Futterverarbeitung nicht mehr sorgsam sterilisiert hatten. Fleisch- und Knochenmehl enthielt Erreger aus Scrapie-kranken Schafen, die ebenfalls ein schwammartig verändertes Gehirn haben. BSE-infizierte Rinder werden aggressiv, verlieren ihre Orientierung und verenden qualvoll, wenn sie nicht zuvor getötet werden.

Krankheitsbild

Eine CJD-Infektion beim Menschen äußert sich zunächst durch Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen sowie Schlaflosigkeit und führt später zu fortschreitender Demenz und zum Tod. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 30 Jahren. (APA/dpa)

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