"Nicht warten, bis gefragt wird"

3. Februar 2007, 17:00
posten

Bereitschaft zur Verantwortung, kluge Voraussicht und eine gute Portion Glück halfen Wirtschaftsprüferin Gerda Plajer auf ihrem Erfolgsweg

Ihre Wahl in das oberste Leitungsgremium von Horwath International sei nicht nur ein persönlicher Glücksfall, meint die Vorsitzende der Geschäftsleitung beim Wirtschaftstreuhänder TPA Horwath, Gerda Plajer. Dass sie zu Jahresbeginn in das "Board of Directors" des internationalen Netzwerks von 127 Treuhand- und Steuerberatungsunternehmen Eintritt fand, sieht sie auch als Bestätigung für die wachsende Anerkennung von Frauen in ihrem Business: Erstmals hat auch ein weibliches Mitglied Platz in der zehnköpfigen Runde. Dabei sollte eine feminine Mehrheit im Board selbstverständlich sein, wenn man Plajers Schilderung folgt: "In den Ausbildungen, die für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer notwendig sind, finden sich zu mehr als der Hälfte Frauen unter den Anfängern."

Leider halte sich diese Quote in den meisten Unternehmen nicht bis hinauf in die höheren Etagen:"In der mittleren Führung sind es quer durch die Kanzleien nur mehr an die 20 Prozent, auf Partnerebene noch viel weniger", bedauert die 48-Jährige.

Um so mehr schätzt sie ihre Tätigkeit in der Wiener Niederlassung von TPA Horwath._Das Unternehmen bilde nämlich eine angenehme Ausnahme: "Insgesamt beträgt unser Frauenanteil knapp zwei Drittel, und dieser Wert bleibt bis hinauf zu den Prokuristen gleich." Einziger Wehrmutstropfen scheint dann wieder die Ebene der Kanzleipartner zu sein: Unter den 19 Partnern gibt es doch nur sechs Frauen.

Als gebürtige Klagenfurterin fand Gerda Plajer nach der Matura 1979 nach Wien, um ihr BWL-Studium an der WU anzugehen. Den Abschluss schaffte sie 1984, nach den einschlägigen Zertifizierungen begann sie 1988 als Steuerberaterin; seit 1995 ist sie beeidete Wirtschaftsprüferin.

Nach der Uni trat Plajer 1984 in die Kanzlei Consultatio ein, die anno 1970 vom ehemaligen SPÖ-Finanzminister und Vizekanzler Hannes Androsch gegründet wurde. Die Erkenntnis, dass es dort "keine Perspektive für einen Aufstieg gab", sieht sie rückwirkend als Schlüssel für ihre Karriere. Erst der Wechsel des Unternehmens und die Bereitschaft, "Verantwortung zu übernehmen – für Mitarbeiter genauso wie für Klienten", hätten ihr den Weg an die Spitze geebnet.

Natürlich: Eine Portion Glück habe schon auch dazugehört: "Man weiß schließlich vorher nie, mit wem man es in einem neuen Betrieb zu tun bekommt." Ganz wichtig ist Plajer, dass Frauen ihre Kompetenzen aufzeigen und ihr Interesse aktiv bekunden. Es sei falsch, "darauf zu warten, bis man gefragt wird".

Trotzdem sie nun ganz oben ist, sieht sie auch künftig genügend Herausforderungen für den beruflichen Alltag. "Die nächsten zehn Jahre sind ganz sicher noch so spannend, dass ich den Weg von TPA Horwath weiter mitgestalten möchte. Ich kann mir aber gut vorstellen, die letzten Jahre meiner Berufslaufbahn mein Wissen in einer gänzlich anderen Branche umzusetzen – etwa im sozialen Bereich."

Bis es so weit ist, profitieren vor allem ihre 15-jährige Tochter und ihr Lebensgefährte von Plajers sozialem Wirken. Ihre Freizeit verbringt sie gerne auf Reisen. Entspannung zu finden bereite ihr dabei keine Probleme: "Ich liebe es zu faulenzen und kann auch einmal eine Woche Urlaub am Strand unterm Sonnenschirm genießen. Fad wird mir da nicht!" (Bernhard Madlener, Der Standard, Printausgabe 3./4.2.2007)

  • Keine Probleme damit, auch einmal völlig abzuschalten: Gerda Plajer, Geschäftsleiterin bien TPA Horwath.
    foto: regine hendrich

    Keine Probleme damit, auch einmal völlig abzuschalten: Gerda Plajer, Geschäftsleiterin bien TPA Horwath.

Share if you care.