US-Tech-Aktien wieder in Top-Form

18. Juli 2000, 16:14

Bank Austria ist für Finanztitel optimistisch - Zurückhaltung bei Pharma und Konsum

Wien - Optimistisch für den US-Aktienmarkt eingestellt ist das Asset Management-Team der Bank Austria. Die Börsen in den USA haben nach dem schwierigen ersten Halbjahr offensichtlich wieder Tritt gefasst, schreibt Monika Rosen vom Bank Austria-Asset Management in einer aktuellen Analyse. Trotz der starken Anstiege in den vergangenen Wochen sollten US-Aktien ein zentraler Bestandteil eines breit gestreuten Aktienportfolios sein, Kursschwächen sollten als Einstiegschance genutzt werden.

Quartalsergebnisse beflügeln

Derzeit werde das Geschehen von ausgezeichneten Quartalsergebnissen dominiert. Aus heutiger Sicht scheint der Konsensus für das Gewinnwachstum (für die im Börsenindex S&P-500 enthaltenen Unternehmen) im zweiten Quartal mit knapp 20 Prozent zu niedrig angesetzt, 23 Prozent wie im Erstquartal scheinen denkbar, so die Expertin. Allerdings habe das langsamere Wirtschaftswachstum auch geringere Gewinnwachstumsraten zur Folge.

Besonders Technologie-Aktien zeigten sich nach der heftigen Korrektur im Frühjahr wieder in Top-Form. Die Technologiebörse Nasdaq konnte seit ihrem Tief am 23. Mai (bei 3.164 Punkten) fast 40 Prozent zulegen. Charttechnisch sei der Ausbruch des Nasdaq Index über die Marke von 4.000 Punkten (Montag-Schluss: 4.274,67) "sehr ermutigend". Mit 33 Prozent ist die Technologie der am stärksten gewichtete Sektor im S&P 500, außerdem weist er weit überdurchschnittliche Wachstumsraten bis zu 50 Prozent auf.

Nasdaq hat Tief überwunden

Die Nasdaq-Titel bieten aber kein homogenes Bild: Der Chip-Sektor könnte seinen Höhepunkt bald überschreiten, manche Softwarefirmen gaben Gewinnwarnungen. Deutliche Absatzsteigerungen verzeichneten PC-Hersteller. Doch die Nasdaq habe ihr Tief schon weit hinter sich, die Möglichkeit eines neuerlichen Rückschlages dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Rosen rät zum Halten bestehender Positionen und zu Zukäufen bei Rückschlägen.

Zu den Hauptempfehlungen des Asset Management gehören Finanztitel, die im Halbjahr besonders gelitten haben. Sie dürften vom nachlassenden Zinsdruck am meisten profitieren. Die Übernahmepläne von UBS für Paine Webber sorge für zusätzliche Fantasie.

Zurückhaltung ist bei Pharma- und Konsumaktien angesagt. Pharma-Aktien konnten bisher bereits bei stabilem Gewinnwachstum von den Technologie-Turbulenzen profitieren, der Sektor hat aber bisher bereits gut performt. Die konjunktursensitiven Zykliker haben nach einer langen Durststrecke Rückenwind durch gute Quartalsdaten erhalten. Ein Nachlassen der Zinssorgen sei diesen Papieren zuträglich, zugleich verlieren sie durch die abschwächende Konjunktur an Gewinndynamik.

Biotech-Werte spekulativ

Biotech-Werte zählten mit Vorlaufzeiten bis zu zehn Jahren und einer oft dünnen Pipeline "zu den spekulativsten Investments überhaupt". Rosen rät daher bei aller Zukunftsfantasie von Einzelengagements dringend ab und empfiehlt in diesem Bereich Investmentfonds. (APA)

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