"Griaß di und Pfiat di"

7. März 2007, 12:51
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Die Begrüßung soll österreichisch sein - Dass die AUA ein Übernahmekandidat ist, sei ein "vollkommener Holler", sagt Marketing-Spezialist Peter Baumgartner

Wien - Seit der Marketing-Spezialist Peter Baumgartner bei der AUA ist, blieb kein Stein auf dem anderen: AUA-Chef Alfred Ötsch holte sich den Profi im September 2006 in sein Team. Ihm unterstehen Bereiche, die Berührungspunkte mit Kunden haben, so auch die rund 2000 Flugbegleiterinnen. Sein wichtigstes Anliegen: Unter dem Motto "we care" die Gastfreundschaft, Herzlichkeit und den Charme gegenüber den Kunden walten zu lassen, "um diese nicht nur zufrieden zu stellen, sondern zu begeistern." Und er will die österreichische Note der AUA wieder hervorheben, denn das sei "ein wichtiges Merkmal in der Differenzierung. Alles andere kann die Konkurrenz in 14 Tagen nachmachen", sagte Baumgartner zum Standard.

Sein Ziel: Ein durchgängiges Produkt sicherzustellen. Daher werden alle Flugbegleiterinnen der Austrian-Gruppe die gleichen roten Uniformen tragen.Unterschiede gibt es nur im Halstuch: Die AUA-Crew hat ein blaues, Austrian Arrows, die ab Juni die Tracht gegen die rote Uniform tauschen, ein grünes und die Lauda-Air, wo der Wechsel Ende März ansteht, werden ein rot/goldenes Halstuch tragen.

Österreichisches Branding

Genauso, wie es beim Essen eine durchgängig österreichische Note gibt, soll auch der Bordverkauf durch heimische Produkte ergänzt werden: Baumgartner will etwa das Bordsortiment mit CDs von Austrian Jazz oder Austrian Classic bis hin zu Austrian Pop erweitern. Geändert wurde mittlerweile die Bordmusik: klassische Klänge wie der Kaiserwalzer dominieren. Österreichisch soll auch die Begrüßung und die Verabschiedung werden: "Ich begrüße Sie mit einem herzlichen Servus" oder regional abgewandelt mit einem "Griaß di oder Pfiat di".

Für den neuen Werbeauftritt der Airline sorgt seit Jahresbeginn der Österreich-Ableger der deutschen Werbeagentur Jung von Matt/ Donau, die auch den neuen Slogan "fly with a smile", der Ende Februar startet, kreiert hat. "Dieser passt zur neuen Aufbruchstimmung", ist Baumgartner überzeugt. Auch bei den Business-Class-Lounges sind Neuerungen angedacht, Details wollte er noch keine nennen. Und in wenigen Wochen hofft Baumgartner, dass auf der Kurz-/Mittelstrecke wieder warmes Essen serviert werden kann. Derzeit gibt es kalte Snacks, nachdem einige Snack-Boxen beim Erwärmen unangenehm rochen.

Überzeugt von Eigenständigkeit

Nichts abgewinnen kann Baumgartner Spekulationen, wonach die AUA eine Übernahme-Kandidatin sei. Wie bereits Ötsch, der u.a. deshalb bestellt wurde, weil er für die Eigenständigkeit der AUA eintritt, sagte Baumgartner, er sei überzeugt, dass die AUA eigenständig bleibe. Das sei ein ganz wesentlicher Standort-Faktor. Und den jüngsten Kursanstieg führt er auf die Focus-East-Strategie, die Restrukturierungsmaßnahmen und den gesunkenen Kerosin-Preis zurück. Ähnlich reagierte jüngst auch Finanzminister Wilhelm Molterer: "Bei der AUA ist die essenzielle Frage der Standort Österreich. Für Österreich als starkes Zentrum in Mitteleuropa brauchen wir einen starken nationalen Carrier". Ob es die AUA auch ohne Partner schafft? Molterer: "Das Management traut sich das aus eigener Kraft zu und hat unsere volle Rückendeckung", sagte Molterer dem Wirtschaftsblatt.

Größter AUA-Aktionär ist die ÖIAG mit 39,9 Prozent, inklusive Banken und Versicherungen besteht eine österreichische Mehrheit. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe 02.02.2007)

  • Peter Baumgartner: Der langjährige Siemens-Marketing-Mann, der nunmehr die AUA-Mitarbeiter auf Herzlichkeit trimmt. Um zu wissen, was los ist, betätigte er sich selbst als Flugbegleiter.
    foto:aua

    Peter Baumgartner: Der langjährige Siemens-Marketing-Mann, der nunmehr die AUA-Mitarbeiter auf Herzlichkeit trimmt. Um zu wissen, was los ist, betätigte er sich selbst als Flugbegleiter.

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