"Kultur ist in Italien kein freies Gut"

11. Februar 2007, 20:10
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Der Leiter des römischen Filmmuseums fühlt sich von der Hauptstadt brüskiert

Rom - Wenn er über sich selbst spricht, gerät Josè Pantieri gerne ins Schwärmen. Er sieht sich als "weltbekannten Promotor", als Cineast, Professor, Historiker und Philosoph. Doch der 65-jährige Katholik ("Die Lehre Christi ist für mich alles") ist mit Leib und Seele vor allem eines: Direktor des von ihm gegründeten Filmmuseums in Rom.

Das Museo internazionale del Cinema e dello Spettacolo wertet Pantieri als "fundamentalen Ort der Hauptstadt" und als "einmalige kulturelle und soziale Realität". Nur: Das den meisten Römern unbekannte Museum kann nur nach Voranmeldung besucht werden.

In vier Jahrzehnten hat der leidenschaftliche Cineast in einem alten Palazzo in Trastevere tausende Erinnerungsstücke aus der Kinogeschichte zusammengetragen: handbetriebene Kameras und Projektoren, Szenenfotos und Kostüme, Plakate und Stummfilme. In verstaubten Räumen reiht sich wertloser Tand an kostbare Exponate, tausende alter Filme türmen sich in dunklen Lagern.

Zwei Briefe von Federico Fellini, ein Hut von Totò, ein Foto von Hitchcock, ein alter Schneidetisch, ein 1903 in Salzburg und Wien gedrehter Mozart-Film - geht es nach Pantieris Willen, dann sollen die liebevoll gesammelten Exponate seines Museums in Wien landen.

"Ich bin bereit, meine Sammlung dem Filmarchiv Austria zu schenken", versichert Josè Pantieri dem Standard: Gespräche seien bereits im Gang, es habe mehrere Treffen mit Vertretern des Filmarchivs und der österreichischen Botschaft gegeben. Ziel der Sammlung sei die Filmarchiv-Dependance in Laxenburg.

"Caligula" Veltroni ... Pantieris Großzügigkeit entspringt nicht purer Geberlaune. Seit die Gemeinde das Gebäude in Trastevere an eine Baufirma veräußert hat, liegt er mit der römischen Stadtverwaltung im Krieg. Der Palazzo, in dem das 1500 Quadratmeter große Museum untergebracht ist, soll in Kürze abgerissen werden. In der angedrohten Zwangsdelogierung sieht Pantieri einen "barbarischen Akt". Roms kulturbeflissenen Bürgermeister Walter Veltroni verteufelt er als "Caligula, der nur die Volksbelustigung im Sinn" habe: "Wer in dieser Stadt nicht rot ist, wird ignoriert." Zwar mag Pantieri nicht bestreiten, dass ihm die Stadt eine Alternative angeboten habe. "Aber es handelt sich um ein fensterloses Tiefgeschoß."

In der Gemeinde gilt der streitbare Cineast als "schillernde Figur". Der zuständige Stadtrat Claudio Minelli weist Pantieris Darstellung irritiert zurück. "Wir haben ihm einen eigenen Trakt im Museum für Volkskunde angeboten und 750.000 Euro für dessen Adaptierung bereitgestellt. Die Eignung der Räumlichkeiten wurde von Experten des Denkmalamtes bestätigt" versichert Minelli.

Der Absicht, das Museum nach Wien auszusiedeln, misst die Gemeinde keine Bedeutung bei. Denn wie alle Museen Italiens steht auch Pantieris Sammlung, wie wenig beachtet auch immer, unter besonderem Schutz. Für eine Übersiedlung nach Wien ist eine Erlaubnis des zuständigen Denkmalamtes unerlässlich. Die aber bekommt Pantieri nicht.

Seufzt der streitbare Direktor: "Kultur ist in Italien leider kein freies Gut." (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Printausgabe, 02.02.2007)

  • Leben für Christus und das Kino: Filmsammler Josè Pantieri.
    foto: museo del cinema

    Leben für Christus und das Kino: Filmsammler Josè Pantieri.

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