Sex kills:

18. Juli 2000, 15:03

Phyllis, die tödliche Femme fatale : "She kisses him so he will kill"

Als Barbara Stanwyck - als blonde Hausfrau Phyllis Dietrichson - langsam in ihren Satinslippern mit Pompos und Fußkettchen die Treppe herunterkam, veränderte sich die amerikanische Filmgeschichte. Barbara Stanwyck, eigentlich Ruby Stevens, setzte mit dem Portrait von Phyllis - der tödlichsten aller Femmes fatales in Billy Wilders DOUBLE INDEMNITY (Frau ohne Gewissen, 1944) einen Standard für alle künftigen Bad girls. In Billy Wilders Meisterwerk des Film noir paart sich sex and crime mit weiblicher Doppelzüngigkeit. Die maßgeschneiderte Phyllis führt ins Verderben, ihre Todesküsse verteilt sie gelassen. Reue ist ihr fremd, denn sie ist "rotten to the heart" (durch und durch verdorben).

In den vierziger Jahren wurde ein Genre hervorgebracht, wo auch Frauen zweifelhafte, ja korrupte Charaktere hatten. Die Frauen im film noir töten entweder selber, oder lassen wie Phyllis die Männer für sie töten. Der Mann verhaftet sich im Glauben, durch das Verbrechen die Frau zu besitzen - sie soll Objekt bleiben und Preis sein; die Frau entzieht sich jedoch dem Mann. Bad girls - für Sabine Reichel (Bad Girls, Hollywoods böse Beauties) Narzistinnen und Exhibitionistinnen die, wenn sie ihre Netze auswerfen, immer willige Beute fangen.

Stanwyck über die Rolle des hinterhältigen "Killer-Weibes": "Ich dachte diese Rolle würde mich erledigen", denn der Film war ein heftiger Schlag gegen alles was damals in Hollywood produziert wurde. Die Motive und Charaktere waren nicht mehr eindeutig verständlich.

Phyllis mit unreinen Absichten

Phyllis Sexualität ist zweckorientiert. Sex ist Mittel zur Kontrolle. Romantische Momente fehlen. Bereicherung ist das, was Sie anstrebt. In unschuldigem Weiß und gar nicht unschuldigen Absichten überredet die attraktive Phyllis den Versicherungsvertreter Walter Neff (Fred MacMurray) ihren Mann zu töten, um die doppelte Unfallversicherung zu kassieren.

Nett steigt schwerverletzt aus seinem Auto, schleppt sich in sein Büro und spricht seine Lebensgesichte auf ein Tonband. Rückblenden und voice-over eines Geständnisses. "I killed him for money and for a woman". Bekommen hat er weder das Geld noch die Frau. Um aus der Spiralle aus Sexualität und Verbrechen auszubrechen scheint ihm nur ein Ausweg: Der Tod von Phyllis - die Ursache allen Übels.

Im Wohnzimmer treffen sich zwei Revolver. Doch wärend die kalte, berechnende Phyllis nicht fähig ist den tödlichen Schuss auf Nett abzufeuern, vollbringt er den Todesschuss mit den Worten: "Goodbye, Baby". - Die patriachale Ordnung scheint wieder hergestellt.

Double Indemnity war ein großer Publikumserfolg. Stanwyck eine Sensation. Barbara Stanwyck wurde im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren und arbeitete zuerst in Nightclubs, ehe sie zum Theater kam. Frank Capra entdeckte ihr Talent und ließ die Schauspielerin in selbstbewußten, energischen Frauenrollen auftreten: "Ladies of Leisure" (1930), "The Miracle Women" (1931), "Stella Dallas" (1937), "The Lady Eve", "Ball of Fire" (1941) Double Indemnity (1944) The Strange Love Of Martha Ivers (1946), Sorry, Wrong Number (1948) . (P. Feichtenschlager)

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