Mailaths Komödienreform

2. Februar 2007, 17:29
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Der Kulturstadtrat braucht sich nicht wundern, wenn für Piplits Partei ergriffen wird, der ein zwar kunstgewerblerisches, aber einzigartiges Theater macht - Kommentar von Thomas Trenkler

Der Wiener Kulturstadtrat lässt kaum eine Premiere im Rabenhof aus, auch wenn dort, wie derzeit, eine glatt gestrickte Komödie gegeben wird, die viel besser in die Kammerspiele passen würde. Das Odeon aber meidet er: Bei Com di com com am Mittwoch war nur Vorvorgängerin Ursula Pasterk.

Zusammen mit vielen anderen Prominenten äußerte sie die Sorge, dass Andreas Mailath-Pokorny das Serapionstheater finanziell aushungern will. Auf den offenen Brief antwortete dieser ebenfalls schriftlich: Er verstehe nicht nur die Sorge, er teile sie sogar. Eben deshalb versuche er, das Serapionstheater im Odeon abzusichern. Das überrascht. Denn bisher wollte er Prinzipal Erwin Piplits dazu bringen, ihn mitentscheiden zu lassen.

Sein Ansatz hat durchaus Berechtigung: Vor vielen Jahren eröffneten Theatermacher von ihnen angemietete Häuser. Weil der Markt nicht noch mehr Bühnen verträgt, haben die Nachfolger kaum Chancen, ihr Können zu demonstrieren. Der Plan, die Prinzipale mit sanftem Druck zu bewegen, ihre Häuser zugunsten der Jungen aufzugeben, stieß daher auf Zustimmung.

Doch Mailath hat sich seine Theaterreform längst kaputt gemacht. Weil er Adi Hirschal an allen Gremien vorbei mit viel Geld versorgt, damit dieser glatt gestrickte Komödien spielen kann. Weil er das Gloria Theater, das glatt gestrickte Komödien spielt, gegen jede Empfehlung entschuldete. Weil im Rabenhof doch nicht schräges Volkstheater geboten wird, sondern glatte Komödie und Kabarett.

Und so lange er Dieter Haspel unbehelligt lässt, der mit antiquierter Ästhetik Schulklassen die Lust aufs Theater erstickt, braucht er sich nicht wundern, wenn für Piplits Partei ergriffen wird, der ein zwar kunstgewerblerisches, aber einzigartiges Theater macht. (trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 02.02.2007)

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    foto: odeon-theater.at
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