"Wiener Wissen" noch besser verkaufen

2. März 2007, 11:29
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Die größten Hemmnisse bei der Ansiedlung von F&E-Unternehmen: Mangel an Risikokapital und an frei verfügbaren Labor-Immobilien

Wien - Im Prinzip ist Wien in Sachen Forschung gut unterwegs: "Im EU-Schnitt beträgt die Forschungsquote zwei Prozent, in Österreich 2,43, in Wien 3,13 Prozent", bilanziert die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank. Für Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist Wien sogar "ein Vorzeigebeispiel für Clusterbildung und der Generierung von kritischen Massen." In "thematischen Bereichen wie Biotechnologie, Medizin oder Mechatronik" sei die Stadt sogar "sehr gut". Wien liege bei den FFG-Förderungen "gemeinsam mit der Steiermark knapp an erster Stelle und lukriert rund 24 Prozent der Fördergelder". 2006 waren das insgesamt 93,8 Mio. Euro für Wien.

Was aber noch lange nicht heißt, dass es nichts mehr zu verbessern gäbe. Aus Janks Sicht sollte "die Vernetzung von universitärer Forschung und betrieblicher Umsetzung" forciert werden. "Derzeit hat nur ein Drittel der Wiener Unternehmen Kooperationen mit Universitätseinrichtungen."

Für Michael Schaude von der Bender MedSystems GmbH gibt es zwar grundsätzlich "keinen Grund nicht in Wien zu sein", trotzdem ortet er zwei Hemmnisse: "Derzeit gibt es noch etwas zu wenig Risikokapital, um internationale Start-ups herzubekommen. Außerdem gebe es vor allem im Laborbereich "kaum freie Räumlichkeiten. Viele Betriebe wollen nach Wien kommen, weil es ein interessanter Standort ist - aber im Grunde können sich solche Unternehmen dann nicht um Immobilien kümmern."

Was die weiteren Potenziale betrifft, ist für Egerth "klar erkennbar", dass die Stadt für Informations- und Kommunikationstechnologien, in den Bereichen EDV und Mechatronik sowie im gesamten Feld der "Life Science" "geradezu prädestiniert" ist.

Zukunftsthema Energie

Jank will neben diesen Themenfeldern heuer überdies im Bereich der "nachhaltigen Energieversorgung" einen Schwerpunkt mit Infoveranstaltungen, Workshops und geförderten Technologieberatungen setzen. Umwelttechnologie und Energieeffizienz sei "ein Feld, das ganz sicher besetzt werden muss", betont sie im Standard-Gespräch. "Da steckt von der Photovoltaik bis hin zum Passivhaus-Know-how sehr viel Potenzial drinnen". Noch dazu, da "die Unternehmen inzwischen erkennen, dass das auch Geschäftspotenzial hat".

Auch für Egerth sind Energieeffizienz und Umwelttechnik "ein High Priority"-Thema. Allerdings nicht nur für Wien. In diesem Bereich sei "die Vernetzung der österreichweiten Potenziale" wohl sinnvoller als ein Cluster-Alleingang von Wien. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2007)

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