Pro und Kontra: Schulferien neu?

Redaktion, 28. Februar 2007, 16:55

Brauchen Schulkinder im Herbst eine Auszeit?

PRO:
Ja zur Revolte!

Von Thomas Mayer

Debatten über Schulferien sind hierzulande von drei Hauptfaktoren geprägt. Prioritär ist wichtig, dass 1.) die Interessen der Erwachsenen - Eltern wie Lehrer - berücksichtigt werden, 2.) die katholischen Feiertage als Fixsterne im Unterrichtsablauf anzusehen sind, 3.) der Wintertourismus maximalen Profit ziehen kann.

Die Bedürfnisse der Schüler sind nicht so wichtig. Ob der Unterricht (davon abgeleitet die Ferientage) der bestmöglichen Ausbildung wie der Gesundheit der Jugend dient, hängt davon ab, ob stockkonservative Lehrergewerkschaften, Elternverbände, Bischofskonferenz und Kommerz gut bedient wurden.

Deshalb sind die heimischen Ferien so, wie sie sind: Herbstferien, die eine relativ lange Lernperiode zwischen Sommer- und Weihnachtsferien unterbrechen würden, gibt es nicht. Dafür ist zu Fronleichnam und Christi Himmelfahrt schulfrei. Praktischerweise immer Donnerstag, damit die Schüler kurz vor Schulschluss nur ja keinen Wochenrhythmus finden! Schließlich halten wir es am Nationalfeiertag und zu Allerheiligen auch so - tolle Gelegenheit, mit schulautonomen "Zwickeltagen" (Herbst-)Ferien durch die Hintertür einzuschieben. Wozu so viel lernen/arbeiten? Semesterferien (kurz nach der Weihnachtspause) braucht das Land der Skifahrer natürlich unbedingt. Und neun superlange Wochen Sommerferien sind tabu: Irgendwann müssen sich unsere Lehrer ja erholen. Alles bestens also?

Unterricht, der auf moderne Bildungs-, Arbeits- und Familienwelten sinnvoll Rücksicht nimmt, sähe anders aus: mit Herbstferien, Ganztagsbetreuung, anderen Lehrerarbeitszeiten, flexiblen Unterrichts- oder Förderungsangeboten. Und Anspruch auf Individualurlaub. Den sollten sich Schüler nehmen können, wann sie (und ihre Eltern, Geschwister) das wollen.

* * *

KONTRA:
Schule ist Stress

Von Otto Ranftl

Fachleute, Experten, Wissende und Halbwissende, wohin der irritierte Österreicher blickt: In Schulfragen ist dieses Land gespickt voll mit Auskennern. Wenn's dann noch um Ferien geht und in der Forderung nach Reformen zeitgeistkonform Änderungswille, scheinbare Zukunftsfähigkeit und Modernität bewiesen werden können - dann hat das Land eine neue Schuldiskussion.

Klar, man muss über alles reden können. Interessant ist jedoch, dass derartige Debatten kaum jemals aus den Schulen selbst kommen. Die dort versammelten Schüler und Lehrer sind auch viel zu viel mit sich selbst beschäftigt, um sich nachhaltig der Frage von Fenstertagen widmen zu wollen.

Wer nicht ganz blind ist, wird unschwer erkennen können, dass Schulkinder im Herbst kurze Auszeiten brauchen wie ein Jogger mit Seitenstechen eine Laufpause. Und Weihnachten erst: Da kommen viele junge Leute mit heraushängender Zunge an. Semesterferien, Osterferien - da ist es nicht viel anders. Und vor allem: In gar nicht wenigen Fällen bieten diese Wochen und "Zwickeltage" Gelegenheit zu lernen.

Ja, richtig: zu lernen. Es ist natürlich eine schöne Vorstellung, die Kinder in der Schule abzugeben, täglich einmal kurz nachzufragen, ob die Hausübungen gemacht sind, ob es eine Prüfung gegeben hat, und sonst auf ein perfektes Ausbildungssystem zu vertrauen. Nur spielen tut's das halt leider selten.

Schule ist Stress. Das kann man sich wegwünschen; sie ist aber ein bisserl naiv, diese Vorstellung. Kinder sind nicht so belastbar wie Erwachsene, deshalb sollen sie mehr und längere Auszeiten haben. Mit der Erwachsenenwelt ist das halt nicht so leicht in Einklang zu bringen. Aber: Kinder sind Stress. Dem muss man sich einfach stellen, dann bewältigt man ihn auch. (DER STANDARD, Printausgabe, 2. Februar 2007)

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manchmal kommen mir die zwei monate sommerferien auch zuviel. dann wünscht man sich, wieder schule zu haben.
aber im heißen lernen, kann ich mir nicht vorstellen.

vielleicht hab ich ja probleme mit dem sinnerfassenden lesen,

aber sprechen sich nicht beide autoren vorsichtig für herbstferien aus? wo ist da das kontra?

:)) danke

ich hab auch keinen Unterschied gefunden

"Schule ist Stress. Kinder sind Stress."

Na ich weiß nicht, ob das eine gute Haltung ist? Daß man Kinder bewältigen muss?

"Schule ist eine Chance. Kinder sind eine Chance." - so würde es mir viel besser gefallen.

Verstehe schon was Sie meinen,

aber lügen wir uns nicht den Sack, wenn wir uns vorgaukeln, dass Kinder keinen Stress bedeuten??Was glauben Sie wie viele Depressionserkrankungen von Frauen mit Kindern genau daher rühren, dass sie mit dieser Erwartungshaltung "Kinder sind kein Stress" an der Realität scheitern?? Es muss daher heißen "Schule ist Stress UND Chance, Kinder sind Stress UND Chance!"
LG Tino67 (männlich, 2 Töchter (9+11) - weiß also wovon ich rede)

Nein zur Kürzung der Sommerferien!

Die Länge hat sich bewährt. Man sollte sich vielleicht im Winter daran erinnern, wie Sommer im Juli und August aussehen. Da kann es nämlich durchaus zwei, drei Wochen lang extrem heiß sein. Da möchte ich wissen, wer bei 35 Grad in unklimatisierten Klassenzimmern sitzt oder gar Turnunterricht in unklimatisierten Turnsälen abhält (im Freien wäre es ja unmöglich, weil lebensgefährlich).
Dann würde man hitzefrei geben - und damit wäre wieder schulfrei. Oder man würde sich angesichts der Hitze auf Unterricht light beschränken - reines Alibi.
Andere Argumente: nötige Zeit für Praktika; Vermeidung des deutschen Hin-/Rückreiseverkehrs; Urlaubsmöglichkeiten der Eltern; Vorbereitung auf ev. Wiederholungsprüfungen.
Anm.: Nein, ich bin nicht Lehrer.

Tatsächlich, Turnuhterricht bei Hitze ist ein Thema. Letzten Juli ist ein Kind im Sportunterricht an Kreislaufversagen gestorben, weil es extrem heiß war.

das arme kleine

musz aber wohl massive Probleme gahaby haben. Normalerweise hat man bis 18 keine Kreislaufprobleme

das Problem an den Sommerferien ist wohl das, dass sich zwei Monatspraktika ausgehen müssen. Trotzdem sind 9 Wochen erfahrungsgemäß viel zu lang.

Das Argument mit der Hitze hinkt etwas. Die meisten Leute gehen, so es die Zeit erlaubt, an Tagen mit 35 Grad ins FREIbad. Oder rösten, ohne weiter darüber nachzudenken, an irgendwelchen Stränden. 9 Wochen Ferien sind überreichlich - 8 Wochen täten es auch, stattdessen wäre eine, für alle gültige, Woche in der trüben Saison ganz gut. Und eine Verlängerung der Osterferien wäre wohl auch positiv. Was wirklich keiner braucht, ist die autonome, oft völlig wirre Vergabe von freien Tagen.

herbstferien??

hab matura in einer ahs gemacht und hab auch im sommer gearbeitet-insofern brauchte ich die 9 wochen,weil in unserer klasse es net erlaubt bzw geahndet wurde,die letzte schulwoche scho zum arbeiten verwenden.

die etwas längere schulperiode bis weihnachten hab ich angenehm gefunden,weil man dann mal ins arbeiten reinkommt u von den sommerferien eh noch erhohlt is.ich find es besser,wenn man hin und wieder mal ein verlängertes wochenende hat um es in der tat, wie es schon kritischer punkT sagte, zum nachlernen braucht.

abgesehen davon, kann man bitte mal aufhörn, in jeder debatte darauf hinzuweisen, daß die ferien ja nur für die Lehrer "da sind".es steht jedem frei diesen beruf zu wählen,wenn man sich dadurch soviel vorteile erhofft..

kurze Ferien sind praktisch für...

... Schüler wie mich. In den kurzen Ferien wie Herbst-, Oster-, Pfingst- und Semesterferien kann man richtig gut lernen. Besonders Herbstferien sind meiner Meinung wichtig, weil man kurz davor ja die Frühwarnungen von den Lehrern bekommt und beginnen kann, für bessere Noten zu büffeln. Ich verfolge seit Jahren erfolgreich das Prinzip, meine Ferien damit zu verbringen, mir Nebenfächer wie Chemie, Geografie, Geschichte etc. durchzusehen, um mich dann zu Stunden wiederholungen zu melden. Sie ahnen gar nicht wie gut sich das auf Noten auswirkt. Ich kanns nur weiterempfehlen. Schließlich: Es ist unmenschlich von Schülern zu erwarten dass sie zu jeder Stunde (12 in einer Hak, erster Jahrgang) vorbereitet erscheinen!

ich hab das

anders gemacht. Mathe total gestrichen und nur im August gelernt

Frühwarnungen Mitte Oktober?

Mitte Oktober finden die ersten Schularbeiten statt. Und dann gibt es gleich eine Frühwarnung? Was ist das für eine Schule? Wieso lassen Eltern und Schüler im SGA das zu? Wie lernt man in den Herbstferien wenn die Eltern mit den Kindern nach Mallorca fliegen wollen? Auslandsreisen sind ja der wahre Grund für Herbstferien, sie sind also vor allem für leute, die sich das leisten können (viele Lehrer gehören dazu).

Als Vater von 3 Schulpflichtigen Kindern im Alter zwischen 6 und 10 Jahren bin ich für:

Kürzung der Sommerferien auf 6 Wochen.

Einführung von 2-wöchigen Herbstferien

Vorverlegung des Semesterabschlusses in die Weihnachtsferien und dadurch ersatzlose Streichung der Semesterferien.
Verlängerung der Weihnachtsferien auf 3 Wochen.

Ostern soll auf 2 Wochen ausgedehnt werden.

Ersatzlose Streichung der Pfingstferien.
Keine schulautonomen Tage.

Auch unsere Kinder würde so eine Regelung befürworten, weil ihnen spätestens nach 6 oder 7 Wochen Sommerferien die Decke auf den Kopf fällt und sie schon wieder in die Schule wollen.

Auch denke ich , dass es ein gesunder Mix aus Lern- und Erholungsphasen ist, so dass kein Stress aufkommt.

Und die Eltern hätten endlich die Möglichkeit auch die Winterferien sinnvoll für Urlaube zu nutzen.

Sinnvolles Nutzen von Ferien

Nach neun Wochen Sommerferien fällt Ihren Kindern die Decke auf den Kopf, nach sechs Wochen Schule aber offensichtlich auch. das heißt ja, dass weder die Schule noch sie selbst den Kindern genug Abwechslung bieten können. Eine Betreuungsproblem dürfte es bei Ihnen ja nicht geben, sonst würden Sie nicht für so viele unterschiedliche aber doch länger dauernde Ferientage plädieren.

Haben sie außer Polemik sonst noch was zu bieten

oder wollten sie nur nachsehen, was die Tastatur so hergibt, wenn man ohne Denken auf ihr herumhackt?

Und schon mal was von Tagesmüttern gehört? Die lösen jedes Betreuungsproblem - so sie eins haben.
Ich jedenfalls bin Selbständig und hab kein Problem damit, mich ausreichend um meine Kinder zu kümmern - zumindest in den derzeit rund 14 Wochen Ferien.

Reden wir in 7-10 Jahren weiter

da sind ihre Kinder vielleicht in der HTL und müssen (!) 4 Wochen Ferialpraxis machen. Na, die werden sich in den restlichen 2 Wochen gut erholen, überhaupt dann, wenn Nachprüfungen anstehen! Viel Spaß!
P.S.: Ich verstehe das Anliegen mit dem Kürzen der Sommerferien voll und ganz (hab selber 2 Mädels mit 9 und 11), aber man muss eben das Ganze betrachten. Genau deswegen sind Änderungen ja gar so schwierig!

Problem 1: Sommerferien auf 6 Wochen ist gut und schön, aber es gibt Leute, die arbeiten wollen und es nicht für die Schule machen müssen (Geld verdienen, einfach so Erfahrung sammeln). Gäbe es z.B. nur den Juli als voll freien Monat, wäre ein irrsinniges Gedränge in der Wirtschaft zu dieser Zeit, da nicht mehr die Möglichkeit bestünde, sich entweder für August oder Juli zu bewerben, sondern nur mehr im Juli, was die Chancen einmal halbiert.

Problem 2: 2 Wochen Ferien sind auch schon zu lang, wenn sie unter der Schulzeit sind. Erfahrungsgemäß (bin Maturajahr) macht man die ersten Tage in den Ferien einmal nichts und widmet sich dann Schulsachen. Trotzdem finde ich, dass jede freie Zeit >10 aufeinanderfolgende Tage zu viel ist.

Ich hab selbst HTL gemacht und denke, dass ich durchaus weiß wovon ich rede:

Wenn ich Ferien sage, dann meine ich auch Ferien.
Gerade die Pflichtpraktika an den BHS gehören mE in die Unterrichtszeit, wenn sie angeblich so sinnvoll und wichtig sind.
Und gerade in einer BHS ist der Lernstress auf einem Level wo ich den Kindern jeden einzelnen Ferientag wirklich vergönne.

Gerade deswegen bin ich für die Trennung dieser zwei Dinge.

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