"Kleinbetriebe liegen mir besonders am Herzen"

1. Februar 2007, 18:52
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Staatssekretärin Christa Kranzl will beim Thema der betriebsnahen Forschung intensiv mitreden, sagte sie im STANDARD-Gespräch

Wien – Die neue Staatssekretärin im Infrastrukturministerium, Christa Kranzl, will sich intensiv in die Forschungsförderung einklinken. Die Grundlage dafür sieht Kranzl im Standard-Gespräch bei ihrem Mitspracherecht beim Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), beim Forschungsförderungsfonds (FFG) und neuerdings auch bei der staatlichen Förderbank „Austria Wirtschaftsservice“ (AWS). Alle drei Einrichtungen zusammen verfügen über Budgettöpfe in Höhe von rund 1,7 Mrd. Euro. Kranzl geht davon aus, dass ihr Haus, als deren jeweiliger Halbe-halbe-Mitregent hier anteilsmäßig entsprechend mitreden wird: "Wir werden uns als Hälfte-Eigentümer auch entsprechend inhaltlich einbringen, die Programme evaluieren und mitgestalten," kündigt Kranzl an. Dabei wird sie vor allem mit VP-Ministerkollegen wie Wissenschaftsminister Johannes Hahn (FWF) und Martin Bartenstein (FFG, AWS) klar kommen müssen.

Bei der Evaluierung der Forschungsprogramme soll der Forschungsrat weiter an der Schwerpunktsetzung der Regierung mitarbeiten. Die harsche Kritik der Opposition an der damit auch künftig aufrechten Zersplitterung der Forschungsförderungsagenden will Kranzl befrieden. Erstens sei sie aus Niederösterreich, ihrer politischen Heimat, "große Ressortsplittungen gewohnt". Zum zweiten verstehe sie, wenn der Wissenschaftsminister Zugriff auf den FWF haben wolle, und zum dritten müssten dem Infrastrukturministerium eben betriebsnahe Forschungsprojekte – wie sie in der AWS auch abgewickelt werden – "besonders am Herzen liegen".

Im übrigen gehe sie davon aus, dass das gemeinsame Ziel einer Stärkung der Forschungs- und Entwicklungsquote (F_&_E) auf drei Prozent des BIP bis 2010 „über allen Ressortzuständigkeiten stehen muss“. Für diese Vorgabe will sie auch EU-Mittel optimal ausschöpfen, für die es allerdings zuerst eine entsprechende Anzahl österreichischer Projekte braucht. Kranzl, die selbst einen Tischlereibetrieb hat, will vor allem mehr Klein- und Mittelbetriebe (KMU) zur Forschung bringen. Da diese in der Regel über keine eigene Forschungsabteilung verfügen, sollen ihnen verstärkt Kooperationsmöglichkeiten mit Fachhochschulen, Unis und außeruniversitären Forschungsinstituten angeboten werden.

Forschungsverbände

Darüberhinaus müssten sich die Betriebe freilich auch zu F-&-E-Verbänden zusammentun, wie es etwa in der Holz- und Baubranche bereits erfolgreich vorexerziert wird. Österreich liegt derzeit in einem EU-Ranking mit einem Investitionsvolumen von 6,24 Mrd. Euro an öffentlichen und privaten Investitionen am fünften Platz. Kranzl will das so schnell als möglich ändern, dabei aber "realistisch bleiben“: „Jedes Vorrücken ist ein Riesenerfolg." Besonderen Nachholbedarf habe der Bund mit lediglich 0,7 Prozent. (Monika Bachhofer, DER STANDARD Printausgabe 02.02.2007)

  • Kranzl weist harsche Kritik an der Zersplitterung der Forschungslandschaft zurück.
    foto:standard/hendrich

    Kranzl weist harsche Kritik an der Zersplitterung der Forschungslandschaft zurück.

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