Zuwanderer: Stadt Wien zieht Lehren aus Studie

2. März 2007, 11:29
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SP sieht sich in Grätzelpolitik bestätigt – Aufwertung durch Infrastruktur

Wien – Eine vergleichende Studie der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ließ in den vergangenen Tagen die Wogen hochgehen: Wie berichtet, attestierten die Studienautoren von "Ghettoisierungsprozesse in Wien?" der Stadt einen Konzentrationsprozess von Migranten in als "Ausländerviertel" definierten Wiener Bezirken wie Ottakring oder Rudolfheim-Fünfhaus.

Gleichzeitig zogen Zuwanderer in den vergangenen 25 Jahren aus den bürgerlichen Bezirken aus. Dort waren sie meist Hauswarte, diese Berufsgruppe wurde aber immer seltener. Wien habe keine Gettos, es finde aber ein Gettoisierungprozess statt, sagte Heinz Fassmann, Leiter des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW. Obwohl er Initiativen der Stadt Wien lobte, hielt er umfassende Integrationsmaßnahmen für notwendig, in welchen nicht nur Wohnen berücksichtigt werden sollte, sondern auch Arbeit, Bildung und Kultur. Das sind Ansätze, die in der Integrations-Leistungsbilanz der SP-Stadtregierung enthalten waren und von den Wiener Grünen und der ÖVP wegen "verschwiegener Versäumnisse" Kritik ernteten. Die aktuelle Studie sei ein "Alarmsignal", sagten die Grünen und verlangten nach verstärkten Investitionen in Migrantenvierteln.

Und auch diesmal verteidigten die zuständigen ihre Maßnahmen: In keiner Stadt der Welt funktioniere das Wohnmanagement so gut wie in Wien, sagte Kurt Schützenbacher (SP), Vorsitzender des für Wohnen zuständigen Wohnausschusses. Devastierte Häuser seien die Ausnahme und nicht die Regel. SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig werde sich mit den Studienautoren zusammensetzen und kritische Punkte besprechen, doch allzu drastisch, wie sie dargestellt wurde, sei die Lage nicht, sagte sein Sprecher am Donnerstag. Wienweit vergab die Stadt über 100 Millionen Euro im Jahr an Sanierungsdarlehen und Förderungen für Privat-Altbauhäuser. Eine Konzentration der Ressourcen gebe es in der Gebietsbetreuung. "Die Studie hat uns bestätigt", denn saniert wurde in der vergangenen Zeit verstärkt entlang des Gürtels und am Brunnenmarkt (16. Bezirk). 782 Anträge von Migranten auf Gemeindewohnungen habe es im Vorjahr gegeben und die Wunschbezirke waren keinesfalls Oberschichtbezirke wie Hietzing oder Döbling. "Diese Bevölkerungsgruppe zieht dort hin, wo sie sich zu Hause fühlt."

Segregation der Teile

In diesem Fall spricht die Stadtplanerin Andrea Breitfuss von einer Segregation des Wohnstandortes, also Konzentrationsprozessen in den Stadtteilen von Menschen mit viel Geld und jenen mit wenig Geld. Eine Quotenregelung hält sie nicht für sinnvoll, denn das Klima vor Ort lasse sich nicht aus der Statistik herauslesen. Ein Viertel mit hohem Ausländer-Anteil heißt nicht automatisch, dass das Klima dort schlecht sei, ein Umsiedeln von Migranten sei nicht nötig. Stadtteile, die Integration von neu Zugezogenen leisten, benötigten aber zusätzliche Unterstützung, befand Breitfuss. Gute Infrastruktur werte die Viertel auf. Die Ergebnisse der Studie seien der erste Hinweis, wo man als erstes nachschauen sollte. (Marijana Miljkoviæ, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2007)

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