Stadt- und Filmgeschichte

1. Februar 2007, 17:41
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In der Josefstädter "Galerie im Hof" stand G.W. Pabsts Verfilmung von Hugo Bettauers "Die freudlose Gasse" auf dem Programm

Großes Kino braucht keine großen Säle. Und da fragt auch niemand nach Dolby- oder Lovechair-Schnickschnack: "Zum bequemen Sitzen bitte einen kleinen Polster mitnehmen", stand auf der Einladung, mit der Helen Ruprechtsberger-Knopp, Heinz Ruprechtsberger und Nikki Knopp "ins Kino" geladen hatten: In ihrer Josefstädter "Galerie im Hof" (www.a41.at) baten Mutter, Vater und Sohn zum Stummfilmabend mit Polit-Hintergrund: Auf wackligem Gestühl sah man Greta Garbo, Asta Nielsen und Werner Krauß in G.W. Pabsts Verfilmung von Hugo Bettauers Wien-Roman "Die freudlose Gasse". Und zwar, erklärte Johann Zabloudil vom Filmarchiv Austria, in einer raren (nahezu) originalgetreuen Vor-der-Zensur-Version des Filmes, der 1925 als "Meisterwerk ... ein erschütterndes Zeitbild aus allerjüngster Vergangenheit" (Lichtbild-Bühne) bejubelt worden war. Der Film sollte die einzige Arbeit der Garbo im deutschsprachigen Raum bleiben. Und Bettauer erlebte die Filmpremiere nicht – die NS-Presse hatte die "Ausrottung" des Autors gefordert: 1925 wurde Bettauer ermordet, der Film aus politischen Gründen mehrfach zensiert. In der Galerie gab es nur eine Einmal-Vorführung – eine kleine Bettauer-Ausstellung läuft aber noch einige Zeit. (DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2007)
  • "Bitte einen kleinen Polster mitnehmen": Die Galeristenfamilie Ruprechtsberger-Knopp bat ins Kino.
    foto: thomas rottenberg

    "Bitte einen kleinen Polster mitnehmen": Die Galeristenfamilie Ruprechtsberger-Knopp bat ins Kino.

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