Chemisches Kondom

12. Juli 2007, 16:24
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Schwerer Rückschlag bei Mikrobiziden - klinische Studien wurden ab­ge­brochen, da bei Ver­wendung des "chemischen Kondoms" ein höheres An­steckungs­risiko besteht

Hamburg/Genf - Die Arbeit an einem weltweit dringend gesuchten neuartigen Schutz gegen Infektionen mit dem Aidserreger HIV hat einen schweren Rückschlag erlitten. Zwei fortgeschrittene klinische Studien wurden abgebrochen, weil der Wirkstoff Zellulosesulfat in diesen so genannten Mikrobiziden das Risiko für eine Infektion erhöhte, statt es zu verringern. Das berichteten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Internationale Aidsgesellschaft (IAS) und die US-Hilfsorganisation Conrad. Warum das Risiko stieg, wurde nicht erklärt.

"Safer Sex" mit Gel

Die Studien - im ersten Fall mit Teilnehmerinnen in Benin, Indien, Südafrika und Uganda sowie im zweiten Fall in Nigeria - suchten nach einem wirksamen Mikrobizid. Solche Gele sind unsichtbar, sie riechen und schmecken auch nicht. Solche "chemischen Kondome" sollen es Frauen ermöglichen, sich unabhängig von der Zustimmung des Mannes vor einer HIV-Infektion zu schützen. In Afrika verhindert die oft schlechte soziale Stellung der Frauen, dass sie sich gegen ungeschützten Sex zur Wehr setzen können.

Mehr Infektionen trotz Gel

Statt des erwünschten Effektes zeigten sich in der ersten Frauengruppe mit dem Wirkstoff im Gel allerdings mehr Infektionen als in der Gruppe mit einem wirkungslosen Scheinpräparat (Placebo), erklärte die WHO. Diese Untersuchung sei daraufhin gestoppt worden. Auch die zweite Untersuchung in Nigeria wurde unterbrochen.

Drei weitere Studien mit anderen Wirkstoffen

Das Resultat sei "extrem enttäuschend", erklärte IAS-Präsident Pedro Cahn. Nach wie vor könne die Bedeutung eines sicheren Mikrobizids nicht überschätzt werden. Ähnlich klang es bei der WHO: "Dies ist ein enttäuschender und unerwarteter Rückschlag bei der Suche nach einem sicheren und effektiven Mikrobizid."

Nach Angaben der WHO laufen zurzeit drei weitere klinische Studien der Phase III mit anderen Wirkstoffen, meist in Afrika. Deren Ergebnisse sollen 2007, 2008 und 2009 vorliegen. (APA/dpa)

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