Hedge Fonds nichts für Kleinanleger

1. März 2007, 19:40
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FMA für Anhebung des Mindestanlagevolumen auf 50.000 Euro - Banken mit hohen Fremdwährungs-Außenständen besonders unter der Lupe

Wien - Die Vorstände der Finanzmarktaufsicht (FMA) sprechen sich für eine Begrenzung der Mindestinvestitionen in Hedge Fonds auf mindestens 50.000 Euro aus. Damit sollen Kleinanleger geschützt werden, so FMA-Vorstand Heinrich Traumüller am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Große Investoren seien nicht schutzwürdig, da sie vergleichsweise bessere Möglichkeiten hätten, sich zu informieren.

"Viele Hedge Fonds sind sehr intransparent", so Traumüller. Nicht immer, aber meistens handle es sich dabei um hochspekulative Veranlagungsformen, über die sich Kleinanleger nur sehr schwer informieren könnten. Um die Transparenz von Hedge Fonds zu erhöhen, brauche es eine europäische Initiative, wie es die deutsche Ratspräsidentschaft auch geplant habe. Auch die USA arbeite bereits an eigenen Vorschlägen, wonach etwa das Vermögen eines privaten Hedge Fonds-Investors mindestens 2,5 Mio. Dollar (1,93 Mio. Euro) betragen soll.

Mehr Vorort-Prüfungen bei Banken

Die Zahl der Vorort-Prüfungen bei den Banken ist von 2002 bis 2006 von 20 auf 60 erhöht worden. Ziel der FMA-Vorstände ist es, die großen sieben bis acht systemrelevanten Banken ein Mal jährlich zu überprüfen, die nächsten neun bis 40 alle zwei Jahre und zusätzlich per Zufallsauswahl weitere aus den insgesamt rund 880 Instituten. Daneben soll es Schwerpunktprüfungen von Banken geben, die etwa einen hohen Fremdwährungskreditbestand aufweisen.

Auch die Überprüfungen der Versicherungen sollen ausgebaut werden. Wie beiden Banken sei dabei auch Osteuropa ein Thema. 15 Voll- und 20 Spezialprüfungen habe es 2006 gegeben, sowie zwei bis drei internationale in Osteuropa. Ziel seien drei bis vier pro Jahr. Die Zahl der FMA-Mitarbeiter soll in diesem Jahr um 24 auf 235 Personen steigen.

Zu den weiteren Vorhaben wurde eine Verstärkung der Follow-up-Prüfungen angekündgt. Dichter als bisher soll nach sechs bis neun Monaten überprüft werden, ob die angeordneten Verbesserungsmaßnahmen auch umgesetzt wurden. Bestimmte sensible Themenbereiche wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung will man zu Schwerpunkten machen.

Weiters wünscht sich FMA-Vorstand Kurt Pribil die Möglichkeit, gezielt über von der FMA eingeleitete Maßnahmen auf der Homepage berichten zu können, um - nach dem Prinzip "blame & shame" - eine höhere Marktdisziplin herzustellen. Hier sei man noch nicht am Ziel, bisher dürfe über Verurteilungen und Bescheide erst nach Ende eines Verfahrens informiert werden.

Die FMA-Vorstände wollen eine Weiterentwicklung der Wohlverhaltensregeln für Unternehmen ("Corporate Governance"). Gesetzlich vorgeschrieben werde sollte ihrer Meinung nach der "Fit und Proper"-Test für Aufsichtsräte von Banken und Versicherungen, eine "Cool-off"-Periode für den Wechsel von Vorständen in den Aufsichtsrat, ein Analyse-Komittee in Aufsichtsräten für alle Banken und Versicherungen sowie die externe Rotation der Abschlussprüfer.

Beim Anlegerschutz tritt die FMA für das "Konzept des mündigen Konsumenten" ein. Für Finanzprodukte sollte es ausreichende Informationen geben, für bestimmte Produkte wie Pensionskassen und Lebensversicherungen pocht man auf Mindeststandards. Performance-Daten sollten über die FMA-Homepage zur Verfügung gestellt werden. "Am Ende soll der mündige Konsument verstehen, dass eine höhere Rendite auch mit höherem Risiko verbunden ist", so Pribil.

Derzeit laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen bezüglich Insiderverdacht noch zu Yline, Cybertron, EMTS und BBAG. Im Vorjahr habe es weiters über 200 eigenen Verwaltungsstrafverfahren gegeben. Die meisten Strafen bewegten sich zwischen ein paar Hundert und ein bis zwei Tausend Euro. Die Maximalstrafe von 35.000 Euro sei im internationalen Vergleich eine der niedrigsten, so Traumüller. Die jüngster Strafe, erst gestern, habe 28.000 Euro betragen. "Kein Limit", wie die britische Behörde es hat, wäre wünschswert.

Gegen bwin werde auf drei Ebenen vorgegangen, so Pribil. Einerseits liege ein Fall wegen des Verdachts der Umgehung der Steuerpflicht und des Glücksspiels ohne Konzession bei der Staatsanwaltschaft, andererseits sei man mitten in den Ermittlungen wegen des Verdachtes von Marktmanipulationen, und dabei auch mit ausländischen Behörden in Kontakt. Zusätzlich schaue man sich auch einige Banken an, ob sie sorgfältig vorgegangen sind. (APA)

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