Mannesmann-Prozess eingestellt

8. März 2007, 19:29
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Durch Geld-Deal mit der Staatsanwaltschaft entgingen die Beschuldigten einer Verurteilung - Klagen gegen Richter abgewiesen

Düsseldorf/Frankfurt - Die umstrittene Einstellung des Mannesmann-Prozesses hat endgültig Bestand. Die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft wies am Donnerstag Klagen gegen die Entscheidung ab. Der Prozess, bei dem unter anderen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf der Anklagebank saß, war Ende November nach einer Absprache zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung zu Ende gegangen.

Ackermann und die fünf anderen Beschuldigten wurden zur Zahlung von insgesamt 5,8 Mio. Euro verpflichtet. Sie entgingen damit aber einer Verurteilung. Der Deal vor dem Düsseldorfer Landgericht löste Empörung in der Öffentlichkeit aus. Privatleute sowie eine Hamburger Anwaltskanzlei reichten insgesamt 23 Strafanzeigen gegen die Richter, die Angeklagten und andere Prozessbeteiligte ein. Sie hielten die Absprache für rechtswidrig.

Die Klagen hätten keine Anhaltspunkte für Straftaten und zur Aufnahme von Ermittlungen ergeben, begründete die Generalstaatsanwaltschaft ihre Entscheidung. Daher seien sie wie auch die drei eingereichten Dienstaufsichtsbeschwerden zurückgewiesen worden. In dem Prozess ging es um Prämien für Manager in Millionenhöhe, die bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 geflossen waren.

Ackermann räumte öffentlich ein, nach der Einstellung des Prozesses über einen Rücktritt nachgedacht zu haben. Er habe mit dem Gedanken gespielt, seinen Posten nach Verfahrensende aufzugeben, sagte er in Frankfurt auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank. Wegen starken Rückhalts im Aufsichtsrat und in der Belegschaft sowie von Kunden und Aktionären habe er beschlossen, bis Ablauf seines Vertrags im Jahr 2010 zu bleiben. "Ich bin außerordentlich dankbar, dass sie hinter mir standen. Das möchte ich jetzt zurückgeben."

Während des jahrelangen Mannesmann-Prozesses hatte Ackermann angekündigt, das Verfahren bis zum Ende durchzustehen, ohne zurückzutreten. Er musste den Löwenanteil der Geldzahlung zur Beendigung des Verfahrens tragen: 3,2 Mio. Euro.

Die Ankündigung, dass 40 Prozent des Geldes gemeinnützigen Vereinen und Organisationen zugeführt werden soll, hatte zu einem Ansturm auf das Düsseldorfer Landgericht geführt. Interessenten legten teilweise die Telefonzentrale lahm. Mitte der kommenden Woche werde wohl die endgültige Entscheidung über die Verteilung des Geldes fallen, kündigte ein Gerichtssprecher an. (APA/Reuters)

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