"Der Kunde ist König"

5. Februar 2007, 09:12
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Supermarktjobs sind keine Traumberufe – aber wer Kunden durch Unfreundlichkeit und Unwilligkeit vergrault, gefährdet sogar den

Es war heute früh. Da war das Mail von K. in meinem Postfach. Und anstatt darüber zu sinnieren, wieso negatives Feedback immer anonym (aber dafür öffentlich), positives aber mit vollem Namen (und privat) kommt, lasse ich K. einfach selbst reden.

K.s Mail

Hallo Herr Rottenberg,

Mit großem Interesse verfolge ich die momentane Debatte rund um die Arbeitsbedingungen des Einzelhandelspersonals in ihrem Kolumnen-Blog. Teils schmunzle ich, teils staune ich über das, was ihre Stammposter da sagen. Ich vermute, dass keiner von ihnen Verkäufer ist.

Ich glaube gerne, dass im Supermarkt arbeiten kein Traumberuf ist. Aber dass die Mitarbeiter von Billa, Spar und anderen Märkten ein so schreckliches Schicksal haben, dass man ein schlechtes Gewissen haben soll, ihre Dienste zu beanspruchen, kann ich nicht glauben. Meine Erfahrung ist aber auch eine andere: Ich treffe im Supermarkt meist auf freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter. Auch dann, wenn ich zehn Sekunden vor Ladenschluss komme (was auch mein gutes Recht ist).

Kein Bittsteller

Vielleicht liegt das aber daran, dass ich zu jenen Kunden gehöre, die sich angewöhnt haben, Geschäfte, in denen sie als Bittsteller oder lästiger Störfall behandelt werden, zu boykottieren. Das gilt für Bars und Kaffeehäuser genauso wie für Kleider- und Computerläden oder Billa, Merkur & Co.

Daran, als Kunde freundlich, respektvoll und mit Hochachtung behandelt zu werden, habe ich mich gewöhnt seit es auf der ganzen Welt üblich ist. Dieses Verhalten ("Der Kunde ist König") gehört für mich zur Jobdescription eines Verkäufers - aber das ist schon was anderes, als Unterwürfigkeit oder Kriechen: Kunden, die man gut behandelt, behandeln auch Personal gut. Und sie kommen wieder.

Geschäfte, in denen mir gezeigt wird, dass ich nur ein Hindernis am Weg in den Feierabend bin, sehen mich als Kunde kein drittes Mal: Einmal kann jeder einen schlechten Tag haben, eine zweite Chance verdient auch ein Verkäufer. Aber wenn man mir zweimal zeigt, dass ich nicht gewollt werde, trage ich mein Geld anderswo hin. Zum Glück gibt es in jeder Branche viele Mitarbeiter, die wissen, dass ihre Gehälter sogar dann, wenn sie niedrig sind, von den Menschen finanziert werden, die bei ihnen einkaufen.

Verwunderung

Was mich wundert: Auf diesen Aspekt ist kein einziger Leser eingegangen, der die Service-, Arbeits- und Freundlichkeitsverweigerung von Personal damit rechtfertigt, dass das Arbeitsleben dieser Menschen angeblich so schrecklich ist.

Mit freundlichen Grüßen

G.K.

PS.: Ich arbeite im Verkauf in einer der sehr großen Textilkette. Das ist kein Spaziergang. Aber das weiß man auch bevor man den Job annimmt!

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