Lugner: "Diese Frauen sind ja auch Menschen"

15. März 2007, 16:47
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Baumeister übt Kritik an "Berufsdemonstranten" und verweist auf Rechte der Betroffenen - Grüne sprechen von Belästigung

Wien - Einkaufszentrum-Chef Richard Lugner und die BetreiberInnen der sexualmedizinischen Klinik "VenusMed" haben sich am Donnerstag unbeeindruckt von den Protesten der AbtreibungsgegnerInnen gezeigt. Lugner verwies auf die Rechte der Betroffenen: "Diese Frauen sind ja auch Menschen, nicht nur die Kinder", meinte er vor Beginn der Kundgebung. Die GegnerInnen tat er als "Berufsdemonstrantinnen/ -demonstranten" ab.

"Ich persönlich bin in der glücklichen Lage, vier Kinder gezeugt zu haben, und alle sind auf der Welt", so Lugner weiter: "Ich bin Katholik, ich habe kein einziges abgetrieben." Man müsse aber sehr wohl verstehen, dass der Gesetzgeber den Schwangerschaftsabbruch erlaubt habe, um Frauen in Notsituationen zu helfen.

Er selbst betreibe die Klinik auch nicht. Sie sei Teil des Ärztezentrums, das sich - mit getrenntem Eingang - bereits seit 16 Jahren in der Lugner City befinde. Außerdem: "Wir haben ja keine Abtreibungsklinik wie am Fleischmarkt, wir haben ein sexualmedizinisches Zentrum. Da gibt es Viagra für die Männer, und da gibt es Hilfe für Frauen, die keine Lust mehr am Sex haben."

Auch an den Motiven der GegnerInnen hat Lugner Zweifel: "Das sind Berufsdemonstranten, und gegen den Lugner zu sein, ist sicher lustig", gab er sich fatalistisch.

"Mehr Medieninteresse als sonstiges"

Psychotherapeutin Brigitte Moshammer-Peter, Geschäftsführerin von "VenusMed", berichtete von nur geringen Störungen durch die Demonstrantinnen und Demonstranten. "Jetzt gerade hat einer der Aktivisten versucht, hineinzukommen und zu fotografieren", sagte sie. Patienten seien allerdings auch noch nicht vorbeigekommen: "Ich habe heute nur Journalistengespräche geführt. Wir haben mehr Medieninteresse als Sonstiges."

Klar sei, dass man sich allen Bereichen der Sexualmedizin widme, und dazu gehöre eben auch die Abtreibung, so Moshammer-Peter. Man biete den Frauen eine "wertneutrale, ergebnisoffene und professionelle Beratung" an. Spontane Abtreibungen ohne Terminvereinbarungen und Beratung gebe es selbstverständlich nicht. "Niemand kann herkommen, einkaufen gehen, dann eine Abtreibung machen und danach ins Kino gehen", betonte sie.

"Keine Bevormundung"

"Wann werden AbtreibungsgegnerInnen endlich einsehen, dass Frauen keinerlei Bevormundung brauchen", fragte SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer bei der Eröffnung des Zentrums. Es sei nicht zulässig, so Stadlbauer, im Zusammenhang mit Abtreibung von "Kindstod" zu sprechen. Stadlbauer forderte die Aktivistinnen/Aktivisten auf, von derlei hetzerischen Methoden Abstand zu halten.

Vana spricht von Belästigungen

Unterstützung kam von den Grünen. "Es darf nicht sein, dass Frauen, die das sexualmedizinische Zentrum aufsuchen, vor den Belästigungen durch radikale AbtreibungsgegnerInnen nicht sicher sein können", so die nicht amtsführende Stadträtin Monika Vana in einer Aussendung. Der Katholische Familienverband protestierte gegen das Zentrum. Es müsse per Gesetz eine Trennung von beratendem und abtreibendem Arzt geben, so die Forderung. (APA/red)

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