Schulfreie Tage, die Konflikte schaffen

23. März 2007, 14:07
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Bereits im September soll es eine neue Regelung für die schulautonomen Tage geben, sagt Ministerin Schmied

Lehrer, Schüler und Experten setzen jetzt zum Umhergeschiebe bei den schulautonomen Tagen an. Bereits im nächsten Schuljahr dürften die schulautonomen Tage, die einst von der ÖVP-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer eingeführt worden sind, Geschichte sein. Ihre Nachfolgerin Claudia Schmied sagte am Donnerstagabend in der ZiB 1, man werde bis März eine neue "einheitliche Regelung" für schulfreie Tage finden, die den Familien die Planung erleichtern würde. Diese sollte im September umgesetzt werden.

Zuvor hatte Schmied noch auf Zeit gesetzt. Erst sollten Lehrer- und Elternvertreter intern ihre Position ausdiskutieren, dann werde man einen Termin für den Gipfel vereinbaren. Auf diese Art würden die Schulpartner eng in die Entscheidungsfindung eingebunden, "Betroffene zu Beteiligten" gemacht.

Betroffen über den Umgang mit den an Pflichtschulen vier, an höheren Schulen fünf schulautonomen Tagen, die jede Lerneinrichtung nach Gutdünken über das Jahr verteilen kann, hatten sich die Eltern gezeigt. 82 Prozent sprachen sich bei einer Umfrage der Elternverein-Dachverbände für eine bundesweite Vereinheitlichung aus.

Gegen eine Zusammenballung der Extra-Freizeit in einer Zusatzferienwoche im Herbst waren 80 Prozent: So rasch nach den Sommerferien sollten die Kinder nicht aus dem Lernrhythmus gerissen werden. Außerdem reiche in Familien mit mehreren Kindern und zwei werktätigen Eltern der gewährte Urlaub oft nicht aus, um den Nachwuchs zu betreuen: ein Argument, das die Mitarbeiterin des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), Doris Klepp, unterstreicht.

"Schulautonome Tage, wie sie derzeit existieren, sind eigentlich nur für Einkindfamilien praktikabel", sagt die Psychologin und Elternberaterin. Angesichts von ökonomischen Realitäten, die viele Eltern zur Doppelerwerbstätigkeit zwängen, könne diese Ausformung der Schulautonomie gar "als Zusatzargument, nicht mehr als ein Kind auf die Welt zu bringen" wirken.

Sommerferien zu lang

Für Klepp böte der jetzige Konflikt einen guten Anlass, "um die Schul- und die Ferienordnung grundlegender zu verändern". Mit neun Wochen seien etwa die Sommerferien für Schüler in Österreich "zu lang", viele Eltern stünden auch hier vor Betreuungsproblemen. Statt der langen, totalen Auszeit solle ein "gesünderer, stressfreierer Schulalltag mit eingebauten Auszeiten" angestrebt werden.

"Schüler haben definitiv nicht zu viel frei", wehrt sich hier Bundesschulsprecher Matthias Hansy von der VP-nahen Schülerunion. Den Vorschlag der Eltern, an den Dienstagen nach den Oster- und Pfingstferien sowie an den schulfreien Landespatron-Tagen unterrichten zu lassen, lehnt er ab. "Nach Ostern und Pfingsten herrscht Prüfungsstress. Dann ist es sinnvoll, sich auf Tests und Prüfungen vorzubereiten." Die Vereinheitlichung der schulautonomen Tage sieht Hansy differenziert: In den Pflichtschulen kann er sich zentral verordnete freie Tage vorstellen, nicht aber in weiterführenden Schulen: "Dort ist die Aufsichtspflicht sekundär. Es kann nicht immer um Bequemlichkeit gehen."

Sophia Lojka, Bundesvorsitzende von der SP-nahen Aktion kritischer Schüler (AKS) kann den Wunsch nach einer Vereinheitlichung der schulautonomen Tage verstehen. Dennoch sollten nicht alle fünf Tage einheitlich freigegeben werden: "Ein oder zwei Tage sollen trotzdem individuell von den Schulen bestimmt werden können, um bei außerturlichen Anlässen flexibel zu sein."

150 Millionen Kosten

Auch Teile der Lehrerschaft hätten gegen die Vereinheitlichung der schulautonomen Tage nichts auszusetzen. Man habe dieses Thema auch jedes Jahr immer wieder angesprochen, nur geschehen sei nichts, sagt etwa Walter Riegler, Vorsitzender der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft.

Eine Abschaffung der schulautonomen Tage und freien Dienstage käme teuer, wirft er ein: "Wenn ich von 110.000 Lehrern ausgehe, die zusätzlich an sieben Tagen je vier Stunden unterrichten, entstünden Zusatzkosten von 150 Millionen Euro pro Jahr." Nachsatz: Die Unterrichtsministerin hat 35 Millionen zusätzlich bekommen. (Irene Brickner/Bettina Fernsebner-Kokert/Karin Krichmayr/Helmut Spudich/Michael Völker/DER STANDARD Printausgabe, 2. Februar 2007)

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  • Lehrer, Schüler und Experten setzen jetzt zum Umhergeschiebe bei den schulautonomen Tagen an.
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    Lehrer, Schüler und Experten setzen jetzt zum Umhergeschiebe bei den schulautonomen Tagen an.

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