The First Lady of Song: Ella Fitzgerald

5. April 2007, 15:38
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"Something To Live For": Der beste von vielen Versuchen eine Compilation aus den wunderbaren Aufnahmen ihrer langen Karriere zu produzieren

Ella Fitzgerald ist eine der großen Stimmen des modernen Jazz. Einzigartig ist ihre enorme stimmliche Spannweite. Ihre Intonation ist so perfekt, dass man auch die Liedtexte sehr gut versteht. Weil Ella immer fröhlich klang, wirkte ihre Interpretation oft nicht so eindringlich und melancholisch wie etwa bei Bessie Smith oder Billy Holiday. Das ändert jedoch nichts an der Stellung, die diese hervorragende Musikerin heute unter den Jazzsängerinnen einnimmt.

Dass Ella, wie die um drei Jahre ältere Billy Holiday, in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, hört man ihrer Art zu singen nicht an. Im Alter von vierzehn Jahren wurde sie Vollwaise und war völlig auf sich allein gestellt. 1934 gewann sie einen Preis bei einem Amateur-Wettbewerb im Apollo-Theater in Harlem (wie auch Sarah Vaughan). Für kurze Zeit bekam Ella einen Vertrag in einer Show im Harlem Opera House. Dort lernte sie den Schlagzeuger Chick Webb kennen, der nicht sonderlich von der damals 16jährigen begeistert war. Er gab ihr jedoch die Möglichkeit, einen Abend in seinem Orchester singen.

"Chick Webb hatte sie aus einer Amateur-Show herausgeholt"

Ella konnte schon damals mit ihrer wunderschönen und sehr weit reichenden Stimme das Publikum begeistern und so begann sie, regelmäßig mit Chick Webb im legendären Jazzclub Savoy in Harlem aufzutreten. "Eines Nachts trieb ich mich in Harlem herum und kam schließlich ins Savoy", erinnert sich die Pianistin und Arrangeurin Mary Lou Williams. "Nachdem ich ein paar Runden getanzt hatte, hörte ich eine Stimme, die auf meinem Rücken Schauer rauf- und runtergehen ließ... Ich rannte buchstäblich zur Bühne, um herauszufinden, wem diese Stimme gehörte und sah ein nett ausschauendes, braunhäutiges Mädchen, das bescheiden dastand und die größten Sachen sang. Man erzählte mir, dass sie Ella Fitzgerald hieße und dass Chick Webb sie aus einer Amateur-Show herausgeholt hätte".

Schon 1935 begann Ella mit dem Orchester von Webb erste Aufnahmen zu machen. Der kindlich-verspielte Song "A-Tisket, A-Tasket", die erste Nummer auf der Compilation "Something To Live For", wurde 1938 ein großer Hit. Im Juni 1939 starb Chick Webb, der seit seiner Geburt an Knochentuberkulose litt und Ella führte das Orchester für einige Zeit weiter. 1941 begann sie ihre Solokarriere und ab 1948 arbeitete Ella regelmäßig für Norman Granz, dem Gründer von Verve-Records und trat bei dessen Konzertserie "Jazz at the Philharmonic" auf. Auf Tour ging sie auch mit Dizzy Gillespies Big Band, wo sie begann, ihren Gesang mit geradezu akrobatischen Scats zu füllen. Aus dieser Zeit stammen Songs wie "Lady Be Good" und "How High the Moon". Von 1947 bis 1953 war sie mit dem Bassisten Ray Brown verheiratet, mit dessen Trio sie auch zusammen arbeitete.

"But Not for Me" stammt aus einer Interpretation von Gershwin Songs, die sie 1950 aufnahm. Begleitet wird sie auf dem Album in großartiger Weise von dem Pianisten Ellis Larkins. Ab Mitte der fünfziger Jahre folgten weitere Songbook-Aufnahmen der großen US-amerikanischen Populär-Komponisten: Cole Porter, Irving Berlin, Richard Rodgers und Lorenz Hart, Duke Ellington, Harold Arlen, Jerome Kern und Johnny Mercer. Ira Gershwin meinte einmal: "Ich wusste nicht, wie gut unsere Songs sind, bevor ich Ella Fitzgerald hörte".

Agilität und kindliche Verspieltheit hat sie nie verloren

Verblüffende ist der Scat Fitzgeralds auf "Airmail Special", einer Live-Aufnahme vom Newport Jazz Festival 1957. Auch in den sechziger Jahren tourte Ella sehr viel, unter anderem mit Duke Ellington. Ella liebte den herzlichen Beifall des Publikums, das weit über die Jazzanhänger hinausging. Höhepunkt einer Europatournee 1960 ist eine Aufnahme von "Mack the Knife" in Berlin, wo Ella sehr vergnügt wirkt. Ihre Agilität und kindliche Verspieltheit hat sie auch im späteren Alter nicht verloren.

Auf der Compilation finden sich auch einige wundervolle Balladen von Ella wie etwa "Angel Eyes", wo sie von Barney Kessel an der Gitarre begleitet wird. Bei den enorm vielen wunderbaren Aufnahmen von Ella Fitzgerald, die im Lauf ihrer langen Karriere entstanden sind, ist es eigentlich unmöglich, eine ausgewogene Compilation zusammenzustellen. Von allen bisherigen Versuchen schafft es dieses Doppelalbum am besten. Besonders ist vor allem der lange Zeitraum von Fitzgeralds musikalischen Schaffen, der hier dokumentiert wird. Das Album ist somit ein wertvoller Überblick und für alle Fans der "First Lady of Song" sehr zu empfehlen. (Georg Bacher)

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