Konjunktur stärkt Arbeitsmarkt

15. Februar 2007, 14:04
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Zum Glück geht es bergab: Arbeitslosen­zahlen von guter Konjunktur, Investitions­freude der Unternehmen, Exportboom und mildem Klima gedrückt - mit Video

Wien – Für Wirtschaftsminister Martin Bartenstein war am Donnerstag die Welt so richtig in Ordnung. Er konnte sich, gemeinsam mit seiner für den Bereich Arbeit zuständigen Staatssekretärin Christine Marek und dem Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Herbert Buchinger, über ein Rekordminus bei der Jänner-Arbeitslosigkeit freuen. Im Vormonat ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen nämlich um 31.497 zurückgegangen, was einem Minus von 9,6 Prozent entspricht. Der Rückgang zieht sich breit durch alle Bundesländer und Bereiche.

Für den guten Wert verantwortlich zeichnet die gute Auftragslage der Betriebe, ein Exportboom und die steigende Investitionsbereitschaft der Betriebe. Ein weiterer Grund: Auch der private Konsum ist angesprungen. Für den Rest hat der ausgesprochen milde Winter gesorgt, der die Bauarbeiter auf den heimischen Baustellen gehalten hat. Hier ist die Zahl der Arbeitslosen mit minus 15,1 Prozent oder 13.408 Personen am stärksten gesunken. AMS-Chef Buchinger führt die sinkenden Arbeitslosenzahlen naturgemäß auch auf die aktive Arbeitsmarktpolitik seines Hauses, also Schulungsmaßnahmen und Qualifizierungsoffensiven, zurück.

Mit Blick auf die positive Entwicklung spricht für Bartenstein einiges dafür, dass die Vollbeschäftigung bis 2010 – mit einer Quote von 3,9 Prozent – erreicht wird. Von Vollbeschäftigung spricht man dann, wenn die Arbeitslosenquote nach Eurostat-Berechnung unter vier Prozent sinkt. Derzeit liegt Österreich bei einer Quote von 4,6 Prozent.

Blaues Auge

Deutlich sinkende Arbeitslosenzahlen gab es jedenfalls auch in der Sachgütererzeugung mit minus 13,5 Prozent, was primär auf die Exportkonjunktur zurückgeführt wird. „Mit einem blauen Auge davon gekommen” ist man hingegen im Fremdenverkehr, wo der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jänner mit lediglich 2,1 Prozent bescheiden ausfiel. Der Schnee sei gerade noch rechtzeitig gekommen, so dass ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit in diesem Bereich ausblieb, sagt der AMS-Chef.

Staatssekretärin Marek wiederum streicht vor allem den positiven Trend bei Frauen und Jugendlichen hervor. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen sei um 5,4 Prozent gesunken, die Zahl der Jugendlichen um zehn Prozent. Trotzdem konnte sich die Opposition nicht so richtig mitfreuen. Das wetterbedingte Minus sei erfreulich, aber noch lange keine Trendwende, monierte der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger. Die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt sei weiter prekär, da die Gesamtzahl der so genannten Betreuungsfälle des AMS um etwa ein Drittel über der genannten Arbeitslosenzahl liege. Regierung und AMS würden diese Arbeitslosen „in billige Sinnlos-Kurse“ stecken und damit aus der Statistik heraushalten. Die Zahl der in Schulungen befindlichen Personen (Dezember 2006: 49.663) sei nun auf 57.906 explodiert. (bach, DER STANDARD Printausgabe 02.02.2006)

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