Notbremse? Firmengründer Dell übernimmt wieder das Ruder beim Computerhersteller

8. Februar 2007, 10:09
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Bisheriger Konzernchef Rollins abgelöst - Gewinn und Umsatz im vierten Quartal unter Erwartungen - Analysten sehen Personal-Rochade unterschiedlich

Angesichts sinkender Marktanteile übernimmt beim US-Computerhersteller Dell Firmengründer Michael Dell wieder das Ruder. Dell löse den bisherigen Chef Kevin Rollins mit sofortiger Wirkung ab, teilte der Konzern am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Rollins sei von seinem Posten zurückgetreten und verlasse auch das Direktorium. Zugleich kündigte das Unternehmen an, im vierten Geschäftsquartal würden seine Gewinn- und Umsatzzahlen hinter den Markterwartungen zurückbleiben. Der Kurs der Dell-Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Anstieg um fast fünf Prozent auf 25,35 Dollar.

"Vision und Führung"

Das Direktorium halte Michael Dells "Vision und Führung" für entscheidend, um die führende Rolle des Unternehmens in der Technologiebranche langfristig zu gewährleisten, erklärte das Direktorium. Dell hatte das Unternehmen 1984 als Student gegründet und an die Spitze der Computerindustrie geführt. Bis 2004 war er schon einmal Chef des Konzerns, zuletzt nur noch Direktoriumsvorsitzender. Diesen Posten soll er auch künftig beibehalten.

Druck

Analysten bewerteten die Entscheidung unterschiedlich. "Es gab mit Sicherheit Druck für einen Führungswechsel", sagte Brent Bracelin von Pacific Crest Securities. Dennoch sei er überrascht. "Diese Art von Turbulenzen bei einem Unternehmen, das in den kommenden eineinhalb Jahren wahrscheinlich 60 Milliarden Dollar (46,3 Mrd. Euro) Umsatz macht, ist mit Sicherheit Besorgnis erregend." Charles Wolf von Needham & Co. sprach von einem nötigen Schritt: "Das Finanzergebnis des Konzerns hat sich verschlechtert seit Rollins übernahm." James Ragan von Crowell, Weedon & Co. sagte, die Entscheidung werde hoffentlich zu wieder steigenden Marktanteilen, Verbesserungen der Produktqualität und mehr Innovationen führen.

Schleppendes Wachstum

Der einstige Börsenliebling Dell kämpft seit geraumer Zeit mit einem schleppenden Wachstum. Zuletzt verlor Dell seine Position als PC-Weltmarktführer an den Rivalen Hewlett-Packard. HP hat nach Einschätzung von Analysten für die rasant wachsenden Märkte der PCs für Privatkunden sowie Drucker und Laptops eine bessere Strategie als Dell und wächst daher schneller.

Verdacht

Daneben ist Dell wegen des Verdachts auf Bilanz-Unregelmäßigkeiten in das Visier von Börsenaufsicht und Staatsanwaltschaft geraten. Die Vorlage seiner Zahlen für das dritte Quartal hatte Dell deshalb verschieben müssen. Dabei warnte es, die Ermittlungen könnten dazu führen, dass auch ältere Geschäftsberichte korrigiert werden müssten. Vor diesem Hintergrund hatte Dell im Dezember bereits seinen Finanzchef James Schneider durch den früheren American-Airlines-Chef Donald Carty ersetzt. (APA)

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