Waschbares Licht

8. Februar 2007, 11:00
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Von leuchtenden Textilien bis zum virtuellen Fenster: LEDs sind dabei, unser Lebensumfeld gehörig umzumodeln

Über Licht emittierende Dioden (LEDs) lassen sich alle nur vorstellbaren Farben erzeugen. Zudem sind Leuchtdioden - im Gegensatz zur Glühbirne - keine Temperaturstrahler. Nichts verbrennt, niemand verbrennt sich. Das macht sie auch noch enorm langlebig. Mit Niedrigstrom betriebene LEDs bringen es auf über 100.000 Stunden Betriebszeit, das ist deutlich länger als zehn Jahre. Und dann gehen sie nicht knallzack aus, sondern werden bloß langsam schwächer. Kein Wunder also, dass wir uns mitten in einer Lichtrevolution befinden. LEDs fressen sich in alle Lebensbereiche - und mit jeder geplatzten Birne wird ihr Strahlepegel breiter. Und ebenso ihr Einsatzbereich.

Das beginnt beispielsweise beim Blick aus dem Fenster, der in natura vielleicht auf die nicht eben einfallsreiche gelbe Fassade des Nachbarn fällt. Und aus dem jeweiligen Strahlegrad dieses Gelbs gilt es nun tagtäglich zu erraten, ob die Sonne scheint oder der Nebel wabert. Ein intelligentes Fenster könnte hingegen Wünsche erfüllen, könnte Weitblick ermöglichen - trotz der faden Fassade - in liebliche Hügellandschaften, auf wogenden Weizen oder Waldrand mit Reh, je nach Geschmack. Und mitten aus dieser Idylle strahlt die Morgensonne und bringt beim Frühstück die Kipferln zum Leuchten. Je nach Sichtwinkel zum Fenster ändert sich der Ausblick. Und am Abend, wenn die LEDs dem Zimmer einen blutroten Sonnenuntergang vorgaukeln und bald niemand mehr den Hokuspokus glaubt, wandelt sich das Fenster zum effektvoll beleuchteten dekorativen Gemälde. Denn LEDs schaffen alles.

"Dream Screen"

In den Experimentallabors der Elektroriesen werden derartige Tests in allen Varianten durchgespielt. Denn Fenster mit Lichtmangel und desillusionierend schlechter Aussicht gibt es zur Genüge. Und damit ein gewaltiges Marktpotenzial. Bei Philips in Eindhoven wird das virtuelle Fenster derzeit unter dem Arbeitstitel "Dream Screen" in allen Facetten erprobt. Mindestens ebenso schlimm wie schlechte Aussicht ist das Gegenteil: Wenn in schönen, lichtdurchfluteten Büroräumen das Tageslicht ausgesperrt werden muss, weil die Angestellten sonst die Computerbildschirme nicht mehr lesen können. Hier sind Tageslicht-Lenksysteme gefragt. Wissenschafter befassen sich mit lichtgesteuerter Verkehrssicherheit in Tunnels und anderen unfallträchtigen Bereichen. Eine Wanderausstellung präsentiert übrigens diese und vielfältige andere Einsatzbereiche in Sachen Zukunft des Lichts derzeit im Technischen Museum Wien. Organisiert wurde sie vom Kompetenznetzwerk Licht, einem Zusammenschluss innovativer Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

Designer nutzen die Chancen knitterbarer, unverwüstlicher LED-Folien als Blickfänger auf Textilien. Das kann der Verkehrssicherheit dienen, wenn abendliche Jogger - anstatt zu warten, bis der Lichtkegel der nahenden Autos sie endlich sichtbar macht - über LED-gefütterte Laufkleidung schon von Weitem hell strahlen. Es kann aber auch bloß dem Spaß dienen, wenn der Schulrucksack jeden Tag andere Leuchtbotschaften trägt, das Sofa von innen heraus die Zeit anzeigt oder das Designerkleid über einen leuchtenden Vorderteil dramatische Effekte erzielt. Als Fernbedienung dient das Handy, mit dem das Design ausgewählt und aktiviert wird. Die netzartig verbundenen LED-Zellen werden dafür einfach unter die Textilien genäht und einfach mitgewaschen. (Bert Ehgartner/Der Standard/rondo/02/02/2007)

"Lichtstärke"
30 Forschungsprojekte zur Zukunft des Lichts
Technisches Museum Wien
Bis 26. Februar 2007
Infos: www.technischesmuseum.at
www.philips.com
  • Beispiel für die Bandbreite von Lichtapplikationen im Designbereich: Philips  arbeitet unter anderem an zerknitterbaren LED-Folien, die in ein Gewebe eingearbeitet werden und so etwa ein leuchtendes Kleid oder, wie hier, einen Polster möglich machen.
    foto: philips

    Beispiel für die Bandbreite von Lichtapplikationen im Designbereich: Philips arbeitet unter anderem an zerknitterbaren LED-Folien, die in ein Gewebe eingearbeitet werden und so etwa ein leuchtendes Kleid oder, wie hier, einen Polster möglich machen.

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