"Sozifresser" versus "Napalm-Wahlkämpfer"

6. Februar 2007, 08:52
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Duell der großkoalitionären Ausputzer: Josef Kalina und Hannes Missethon schenkten sich im Streitgespräch nichts

Wien - “Sozifresser” nannte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina sein schwarzes Gegenüber Hannes Missethon. “Napalm-Wahlkämpfer” Missethon Kalina. Mittwoch abend trafen die beiden oberstenParteistrategen im Ö1-Streitgespräch “Im Klartext!” bei Gabi Waldner erstmals persönlich aufeinander – und schenkten sich, abgesehen von freundlichen Eingangsworten, nichts.

“Jo Kalina ist der Platzhirsch hier in Wien. Ich werde versuchen, ein Stück des Reviers zu erobern”, kündigte Missethon an. Kalinas Spindoktorenarbeit charakterisierte er in Anspielung auf Alfred Gusenbauers Medienpräsenz abseits der Politikseiten (Stichwort Krautsuppendiät) als “merkwürdigen Mix aus Bruno Kreisky und Dieter Bohlen.” Sein oberster Credo: “Spitzenpolitiker sollen echt bleiben dürfen.” Und: “Die SPÖ ist momentan keine erotische Partei.” Kalinas zückte als Konter ein Taschentuch, damit Missethon seine “Krokodilstränen trocken kann.”

Verbaler Schlagabtausch

Verbaler Schlagabtausch gehört zum täglichen Geschäft des Generalsekretärs oder, wie die Position in der SPÖ traditionell heißt, des Bundesgeschäftsführers. Wenn keiner der Spitzenpolitiker etwas sagen will – und das ist gerade bei heiklen Themen oft der Fall –, müssen die Ausputzer aus den Parteizentralen ran. Entsprechend breit – und mitunter inhaltslos – sind die Spuren, die sie in den Archiven der Nachrichtenagenturen hinterlassen. Daran ändert auch nichts, dass mit dem bislang noch unbeschriebenen steirischen Polit-Export Missethon und dem eher als hemdsärmelig geltenden Kalina sich eigentlich zwei Großkoalitionäre gegenüberstehen, die im Grunde ein gemeinsames Interessen haben müssten: dass die neue rot-schwarze Regierung gut dasteht.

Gleichzeitig müssen sie aber dafür sorgen, dass ihre Partei in der Öffentlichkeit als die bessere übrig bleibt – ein kaum lösbarer Interessenkonflikt. “In entscheidenden Fragen kann es keine Schonung geben, sondern da muss man seinen Standpunkt klarlegen”, meinte Kalina. Die Koalition sei, auch wenn er der ÖVP nicht gefalle, eine “Lebensgemeinschaft auf Zeit”, keine “Ehe”. Missethon kritisierte die Doppelstrategie: Schulterklopfen in der Regierung, Ins-Schienbeintreten im Parlament in den U-Ausschüssen. “Da müssen wir nachjustieren. Sonst wird´s schwierig.” Kalina: “Nachjustieren? Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Wir werden sucher nicht gemeinsam einen Teppich aussuchen, wo wir die letzten sieben Jahre drunterkehren.”

"Kommissar Rex der SPÖ"

Im Ö1-Streitgespräch charakterisierte sich Kalina übrigens ganz popularistisch als “Kommissar Rex der SPÖ”. Nachsatz: “Wurstsemmelholen bringe ich zusammen.” Mit einer Hunderasse wollte sich der gelernte Werkstoffwissenschafter Missethon (Eigendefintion „neugieriger Konservativer“) Mittwochabend nicht identifizieren. Sein Vorbild sei eher Generalsekretärs-Vorgänger Michael Graff – bekannt für seine scharfen Verbalattacken. Und für seinen Rücktritt im Zuge der Affäre Waldheim. (Barbara Tóth, DER STANDARD, Printausgabe 1.2.2007)

  • Kontrahenten: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und ...
    foto: corn

    Kontrahenten: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und ...

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    Hannes Missethon

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