Ehemann soll Beiträge für seine Frau zahlen

17. Juli 2000, 19:53

Gelockerte Mitversicherung für Familienverband vorstellbar

"Ich kann mir das persönlich vorstellen." Johannes Fenz, Präsident des Katholischen Familienverbandes, will nicht kategorisch ablehnen, dass künftig Ehemänner unter gewissen Rahmenbedingungen für ihre nicht berufstätigen Frauen selber Versicherungsbeiträge einzahlen. Allerdings, so schränkt Fenz im STANDARD-Gespräch ein, "muss analog im Steuersystem etwas passieren", das speziell Familien mit Kindern zugute komme.

Fenz reagiert damit auf den Vorschlag von Arbeitsminister Martin Bartenstein (ÖVP), die kostenlose Mitversicherung in der Krankenversicherung für Partner ohne Betreuungspflichten aufzuheben. Fenz: "Dass das System auf längere Zeit sicher nicht halten wird, ist unbestritten. Man muss ja den Wandel in der Gesellschaft auch sehen." Drei Viertel der jungen Frauen seien erwerbstätig.

Fenz' Modell zufolge müssten Frauen mit Kindern auch weiterhin, zum Beispiel bis zum Schuleintritt des jüngsten Kindes, bei ihrem Partner mitversichert sein. Diese Leistung müsse "gesellschaftlich anerkannt" werden. Auf die Lebensplanung der 40- bis 50-jährigen Frauen müsste aber mit Übergangsfristen Rücksicht genommen werden.

Zurückhaltend gibt man sich im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der eigentlich von zusätzlichen Beiträgen profitieren sollte. Josef Probst, stellvertretender Generaldirektor, vermisst noch immer ein "Gesamtfinanzierungskonzept für die Krankenkassen". Er wartet auf Details und eine "sozial- und gesellschaftspolitische Wirkungsanalyse" des Mitversicherungsvorschlages. Details werden derzeit im Arbeitsministerium noch ausgearbeitet.

Probst rechnet anhand jener Gruppe, die schon jetzt dem "Anforderungsprofil" der Bartenstein-Idee entspräche. Von den 800.000 mitversicherten Frauen sind 50.000 kinderlos und im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Würden nur für diese Gruppe Beiträge bezahlt, könnte zwar ein "dreistelliger Millionenbetrag" lukriert werden. Die Abdeckung des diesjährigen Finanzbedarfs der Kassen (5,7 Mrd. Schilling) sei "auf den ersten Blick durch diese Maßnahme sicher nicht leistbar", bleibt Probst aber abwartend skeptisch.

"Inakzeptabel" findet die indes oberösterreichische Arbeiterkammer den Vorschlag, die Mitversicherung für Angehörige einzuschränken. Erst ab einer Einkommenshöhe, die über der doppelten Höchstbeitragsgrundlage (43.200 Schilling) liege, könne darüber diskutiert werden, da die Sozialversicherungsbeiträge stark steigen würden. Derzeit seien monatlich für die Krankenversicherung zwischen 856 und 3427 Schilling zu bezahlen. Für einen durchschnittlich verdienenden Angestellten würde die Beitragslast durch die Versicherung seiner Ehefrau um mindestens 72 Prozent steigen.
Lisa Nimmervoll

Share if you care.