Betriebsrat gegen Übersiedlung auf Zentralbahnhof

5. März 2007, 12:16
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Zukunft des ORF-Zentrums sorgt für Streit und VP-Stiftungsräten - Fiedler kritisiert Domany wegen Absiedlungs-Überlegungen

Das Tauziehen um das sanierungsbedürftige ORF-Zentrum am Küniglberg in Wien-Hietzing wird stärker und sorgt nun auch für erste Irritationen im ÖVP-"Freundeskreis" des ORF-Stiftungsrats. ORF-Zentralbetriebsratsobmann und Stiftungsrat Heinz Fiedler sprach sich am Mittwoch auf Anfrage der APA gegen eine Übersiedlung auf den Zentralbahnhof aus. Sein bürgerlicher Stiftungsratskollege Christian Domany kann sich eine solche vorstellen, wenn die Sanierung des Küniglbergs zu teuer kommt, wie er dem "Standard" erklärte.

"Ich weiß nicht, wem sich ORF-Stiftungsrat Domany verpflichtet fühlt - an Baubranche, Spekulanten oder andere Lobbyisten mag ich gar nicht denken - die Interessen des ORF sind es offenbar nicht", so die scharfen Worte des VP-Gewerkschafters Fiedler in Richtung Domany. Der Zentralbetriebsratsobmann weist darauf hin, dass Domany mit dem Hinweis auf den in Planung befindlichen Wiener Zentralbahnhof ein früheres Angebot von Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) aufgreife, mit dem Flughafen-Vorstand Domany auch das gemeinsame Interesse an der AUA - als Aufsichtsrat einerseits und als Vertreter des Mehrheitseigentümers andererseits - verbinde.

Fiedler für Erhaltung des ORF-Zentrums

Fiedler outet sich einmal mehr als strikter Befürworter des Erhaltes des ORF-Zentrums: "Selbstverständlich spielen wirtschaftliche Argumente eine gewichtige Rolle. Ebenso selbstverständlich ist die Bedeutung des ORF-Zentrums auf dem Küniglberg aber nicht alleine in dürren Zahlen zu messen. Was dieser Standort für das Image des Unternehmens, für das Bewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, ja welchen Wert die Marke ORF-Zentrum in der Öffentlichkeit darstellt, das alles wird Teil der Überlegungen sein müssen, die jetzt angestellt werden. Diese durch öffentliche Äußerungen - in wessen Dienst auch immer - beeinflussen zu wollen, noch bevor seriöse Ergebnisse vorliegen, widerspricht diametral den Aufgaben eines Aufsichtsrates und sind daher im Interesse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF sowie im Interesse des Unternehmens scharf zurückzuweisen."

Domany plädierte - wie der STANDARD berichtete - dafür, ein neues Rundfunk-Zentrum auf dem Gelände des geplanten Wiener Zentralbahnhofes zu errichten. Jedenfalls dann, wenn sich herausstellt, dass die Sanierung des derzeitigen ORF-Gebäudes auf dem Küniglberg zu teuer kommt. Am Zentralbahnhof könnten dann neben dem ORF auch Privatprogramme einziehen. ATV-Chef Franz Prenner bezeichnete es als "hervorragende Idee", etwa Studios gemeinsam zu nutzen, sprach sich aber für einen Standort in St. Marx aus, wo die Gemeinde Wien an einem Mediencluster bastelt.

Prenners Unterstützung der Absiedelungs-Variante sei "ein klarer Fall von no na", so Fiedler. "Aus der Sicht des ärmlichen Untermieters im Teilbesitz der BAWAG klingt 'Mediencluster' natürlich verlockend. 'ORF: Tür 253, ATV: Tür 254' ist keine Vision, die man vom Standpunkt des österreichische Leitmediums aus haben muss."

In verschiedenen Gutachten lässt der ORF derzeit die Standortfrage untersuchen. Eine Entscheidung der ORF-Geschäftsführung und des ORF-Stiftungsrats wird für heuer erwartet. (APA)

Nachlese
VP-Rat für neues ORF-Zentrum - Gemeinsamer Standort mit Privaten
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