Indische Tata Steel kauft Corus

7. März 2007, 19:01
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Der Stahl-Konzern schluckt nach monatelangem Ringen den weitaus größeren Konkurrenten und schreibt mit der Mega-Auslandsinves­tition in Indien Geschichte

Wien - Der indische Stahlkonzern Tata Steel hat den monatelangen Kampf um den niederländisch-britischen Konkurrenten Corus gewonnen. Die Inder setzten sich mit ihrem Gebot über 9,39 Mrd. Euro durch und stachen den brasilianischen Interessenten Companhia Siderurgica Nacional (CSN) aus. Damit steigt Tata aller Voraussicht nach zum weltweit fünftgrößten Stahlproduzenten auf. Es ist zudem die größte Auslandsinvestition eines indischen Unternehmens aller Zeiten.

Die britische Regulierungsbehörde gab den Sieg der Inder nach einer Auktion in der Nacht zum Mittwoch bekannt. Die Zustimmung der Aktionäre gilt Experten zufolge als sicher. Die Europäische Kommission hat den Übernahmeplänen bereits im Dezember grünes Licht signalisiert.

Tata zahlt den Angaben zufolge für jede Aktie 608 Pence in bar oder insgesamt 6,2 Mrd. Pfund (9,39 Mrd. Euro). Das ist etwa ein Drittel mehr als das ursprüngliche Angebot vom Oktober. CSN hatte zuletzt 603 Pence je Anteilsschein in Aussicht gestellt. Die Unternehmen hatten sich über mehrere Monate einen Bieterwettkampf geliefert. Beide Offerte lagen nun am oberen Ende dessen, was Analysten erwartet hatten. Corus-Papiere waren am Dienstag in London vor der Entscheidung bei 563 Pence aus dem Handel gegangen. Mittwoch früh lagen sie bei 601 Pence - ein Kursaufschlag von fast sieben Prozent.

Tata-Aktien rutschen ab

Am Markt in Bombay wurden die Nachrichten am Mittwoch indes negativ aufgenommen: Tata-Aktien verloren fast zehn Prozent. Analysten meinten, der zugesagte Preis für Corus sei sehr hoch. Die Fusion könnte Tatas Finanzen zumindest kurzfristig belasten. Tata wies diese Einschätzung indes zurück. Die Zukunft werde auch den Kritikern zeigen, dass das Management die richtige Entscheidung getroffen habe, sagte der Chairman der Tata-Gruppe, Ratan Tata, in Bombay vor Journalisten. Von CSN gab es zunächst keine Stellungnahme.

Der Finanzdirektor der Holdinggesellschaft von Tata, Ishaat Hussain, begründete den Zukauf in einem Fernsehinterview mit der zunehmenden Konsolidierung in der Stahlbranche. Corus sei der einzige Konzern gewesen, der in diesem Zusammenhang als Übernahmeobjekt in Frage gekommen sei. Das Management geht davon aus, dass Tata durch das Geschäft seine Kapazitäten auf fast 28 Mio. Tonnen pro Jahr verdreifachen kann. Allein durch Synergien könne der jährliche Nettogewinn um bis zu 350 Mio. Dollar gesteigert werden, hieß es.

Im vergangenen Quartal lag das Nettoergebnis nach Angaben vom Dienstag bei 10,63 Mrd. Rupien (186 Mio. Euro) und damit gut 40 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Den Gewinn unter den Markterwartungen hatte der Konzern mit höheren Rohmaterialkosten begründet.

200.000 Mitarbeiter

Der 70-jährige Patriarch Ratan Tata hat die Tata-Gruppe - die mit mehr als 200.000 Mitarbeitern in sieben Branchen aktiv ist - seit 1991 grundlegend reformiert. Einerseits reduzierte er die Zahl der Firmen innerhalb der Gruppe, andererseits investierte er in neue Geschäfte mit Wachstumspotenzial. In den vergangenen Jahren gab Tata Steel mehr als 400 Mio. Dollar aus, um etwa Singapurs NatSteel und die thailändische Millennium Steel zu kaufen. Die CSN wiederum ist nun zum zweiten Mal in fünf Jahren daran gescheitert, Corus zu übernehmen.

Der Kampf um Corus war Teil einer Welle von Übernahmen in der Branche, die vor allem wegen der hohen Stahl-Nachfrage aus Asien einen Boom erlebt. So übernahm Weltmarktführer Mittal Steel im vergangenen Jahr bereits für rund 26 Mrd. Euro den europäischen Rivalen Arcelor. (APA/Reuters)

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