Ein Sir mit Sinn für das Landleben

31. Jänner 2007, 20:49
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Touristiker Walter Klaus ist jetzt Landwirt - Nun wechselten 40.000 m2 Landwirtschaftsfläche in Lochau den Besitzer

Lochau - Der grüne Grundverkehr von 40.000 Quadratmetern am Pfänderhang wurde möglich, weil der TourismusUnternehmer Walter Klaus (Silvretta Nova, Vorarlberg Lines) die Auflagen der Grundverkehrs-Landeskommission akzeptierte: Langfristige Verpachtung an einen Bauern, weder Umwidmung noch Verbauung bis 2025. Walter Klaus zum STANDARD: "Das haben auch meine Rechtsnachfolger unterschrieben."

Kein Antrag auf Umwidmung

Diese Verpflichtung sei "bis dato in Vorarlberg einmalig", sagt Heinrich Sandrell, Vorstand der Silvretta Nova. Sein Chef habe sich notariell verpflichtet "für die nächsten 20 Jahre keinen Antrag auf Umwidmung zu stellen". Sandrell verweist auf Klaus' landwirtschaftliche Besitzungen in Partenen (Montafon), die seit 1972 von Pächtern bewirtschaftet würden, seine Bergbauernstiftung, die Belieferung der Nova-Betriebe durch einheimische Bauern. Klaus selbst sagt; "Ich bin Landwirt."Klaus Nigsch, Vorsitzender der Grundverkehrs-landeskommission ist sicher, dass "diese Entscheidung viel für die Landwirtschaft bringt, weil die Grundstücke nun langfristig vor jeder Spekulation gefeit sind". Auflagen wie sie Klaus akzeptiere, "würde kein Landwirt akzeptieren".

Was im Falle von Helmut Kaufmann, 40-jähriger Bauer und Nachbar von Walter Klaus am Haggen, nicht zutrifft. "Natürlich hätte ich die Auflagen auch unterschrieben." Kaufmann, langjähriger VP-Gemeindevertreter hätte den Grund gerne gekauft. "So eine Chance bietet sich nicht oft im Leben" spricht er die Bodenknappheit an. Kaufmann besitzt sieben Hektar und bewirtschaftet 18 Hektar Pachtfläche. Die örtliche Grundverkehrskommission lehnte den Verkauf an Klaus ab, teilte der Landesstelle mit, dass "ein ortsansässiger Landwirt Interesse an der Liegenschaft zeigt". Laut Grundverkehrsgesetz hätte eine Bekanntmachung des Rechtserwerbs an der Amtstafel erfolgen müssen, dann hätte Kaufmann ein Angebot legen können. Warum hat man auf die Bekanntmachung verzichtet? Bürgermeister Xaver Sinz (VP): "Es wurde kein Interessenverfahren vom Land eingeleitet." Nigsch: "Weil so unter dem Strich insgesamt mehr für die Landwirtschaft herausgekommen ist." Sinz kann "mit dem Bescheid leben".

"Öffentliches Interesse"

Man könne den Erwerb von Grünland durch einen Nicht-Landwirt "nicht in jedem Fall versagen", beruft sich die Behörde auf ein Urteil des EuGH, das 2004 zur Entschärfung des Grundverkehrsgesetzes geführt hatte. Entscheidend war "öffentliches Interesse". Aus dem Bescheid: "Der Antragsteller hat durch seine Förderungen dokumentiert, dass er die Landwirtschaft unterstützt und bereit ist, die Umsätze seiner großen und bedeutsamen Unternehmungen weiterhin in den Regionen des Landes Vorarlberg zu investieren." Sinz: "Für mich ist Walter Klaus ein Sir, tut mit seiner Bergbauernstiftung sehr viel für die Landwirtschaft." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 31.1.2007)

  • Walter Klaus' Aussicht vom Haggen auf den Bregenzer Hafen. Der Touristiker kaufte sich zum Bodensee-Sitz 40.000 m2 Landwirtschaftsfläche
    foto: dietmar mathis

    Walter Klaus' Aussicht vom Haggen auf den Bregenzer Hafen. Der Touristiker kaufte sich zum Bodensee-Sitz 40.000 m2 Landwirtschaftsfläche

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