Sexappeal des Spießertums

30. Jänner 2007, 19:33
1 Posting

Schwierige Jugend bei den "Spieltrieben" im Burgtheater-Kasino

Wien – "Wenn nichts passiert, dann tut man so als ob, oder man lässt etwas passieren" – jugendliche Langeweile dient als Ausgangspunkt der neuen, mittlerweile 23. Spieltriebe-Produktion des Burgtheaters. Junge Regisseure versuchen sich in dieser Reihe mit jungen Schauspielern an möglichst jungen Stoffen junger Autoren. Jugend also: Du und der Vergnügungspark von Izy Kuschke und Burg-Nachwuchs Sebastian Fust gibt davon reichlich.

Vor projizierten Kitschpostkarten erleben drei Freunde erneut diese dem Lebenshunger ergebene Zeit, eine Kanada-Reise nach Schulabschluss im Speziellen. Im 76er-Oldsmobile fahren Christa, Frank und Tim die Straßen zwischen den Niagarafällen, Sunshine-Motels und den Rocky Mountains ab, spielen "Tat oder Wahrheit", knutschen im Zelt herum und parlieren über Nirwana, Mainstream und Spießertum.

Erlebnishunger

Eine ganze Menge Schlagwörter der Adoleszenz werden hier aufgesagt, dahinter steckt der Wunsch, tatsächlich Eigenes zu erleben und nicht nur die gleichen Erfahrungen zu machen, die schon längst generationenweise von allen anderen davor gemacht wurden. Höchste Intensität zu erreichen, das Wahre und Wirkliche, wird denn mit inbrünstigen Schwüren zu allen sich bietenden Anlässen versucht, es folgt die Erkenntnis, dass viel versprechend individuelles Jungsein auch einiges an Schwierigkeiten inkludiert.

Die Darstellerin Karin Lischka schiebt ihren Text zwar etwas mühsam vor sich her, und David Oberkogler (Frank) und Gerrit Jansen (Tim) wetteifern recht gelassen um die Gunst von Christa und Publikum, auch nervt die überdosierte Frische und Trendnähe mitunter, ebenso wie eingespielte Popmusik und Bombenexplosionen als Symbol der jugendlichen Entschlossenheit. Aber: Fust inszeniert durchaus feinsinnig, zeigt Gefühl für Zeit, Geschwindigkeit und Intensität und lässt Christa den "Sexappeal" des Normalen entdecken. Das ist dann auch das wirkliche Leben. (Isabella Hager/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.01.2007)

  • Artikelbild
    foto: burgtheater
Share if you care.