Erster Araber als "Gerechter unter den Völkern" geehrt

12. Februar 2007, 11:32
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Tunesier Khaled Abdelwahhab versteckte Juden vor den Nazis

Jerusalem - Erstmals ist ein Araber von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt worden. Der Ehrentitel wird für die Rettung verfolgter Juden im Zweiten Weltkrieg verliehen. Der Tunesier Khaled Abdelwahhab versteckte 1942 eine Gruppe Juden vor den in das damalige französische Protektorat in Nordafrika einrückenden deutschen Truppen. Für die am Dienstag bekannt gegebene Auszeichnung wurde der 1997 Verstorbene vom Direktor des Washingtoner Instituts für Nahost-Politik, Robert Satloff, vorgeschlagen.

Satloff hat nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gezielte Nachforschungen angestellt, wie sich Araber in Nordafrika während der deutschen Invasion gegenüber jüdischen Mitbürgern verhielten. Dabei stieß er nach eigenen Angaben auf Abdelwahhab, einen damals 32-jährigen Architekten, Landbesitzer und Hobby-Archäologen. Er hörte Ende 1942, dass deutsche Offiziere eine in der Nähe wohnende Jüdin vergewaltigen wollten. Daraufhin versteckte er sie und rund zwei Dutzend weitere Juden vier Monate lang auf seinem abgelegenen Landgut, bis die Deutschen abzogen.

Überlebende bestätigten Recherchen

Satloff machte in den USA Überlebende dieser Ereignisse ausfindig, die das Ergebnis seiner Recherchen bestätigten. Daraufhin schlug er Abdelwahhab für die Auszeichnung vor. Diese wird von Yad Vashem an Nicht-Juden vergeben, die Juden während des Holocausts das Leben gerettet haben. Sie bedeutet, dass für den Geehrten ein Gedenkstein an der "Allee der Gerechten unter den Völkern" in Jerusalem errichtet und ein Baum gepflanzt wird.

Prominenteste österreichische "Gerechte" sind die verstorbene Schauspielerin Dorothea Neff und der verstorbene Komponist Gottfried von Einem. (APA/AP)

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