Holender als Kutscher ist Stress für Pferd

16. März 2007, 10:02
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Tierschützer kritisieren geplanten Einritt des Staatsopern-Direktors: "Enormer Stress" und "gewisse Gefahr" für Gäste

Wien - Erstmals in der Geschichte des Opernballs wird am 15. Februar ein echtes Pferd bei der Eröffnung der Wiener Traditionsveranstaltung einziehen. Staatsoperndirektor Ioan Holender mimt einen Fiaker, in der denkmalgeschützten Kutsche soll Gesangs-Diva Anna Netrebko Platz nehmen. Tierschützer halten diesen Auftritt für verzichtbar: "Ich befürchte, dass das für das Pferd enormen Stress bedeutet", sagte Andreas Sax, Geschäftsführer von "Vier Pfoten" zur APA.

Für Leib und Leben der Gäste bestehe eine "gewisse Gefahr", sollte das Pferd scheuen und durchgehen, meinte er. "Ich würde empfehlen, an Alternativen zu denken - an etwas, das nicht lebt", rät Sax. Bei dem Vierbeiner, der laut Staatsoper ein Wiener Fiakerpferd sein soll, werde der Adrenalinspiegel in dieser Situation vermutlich stark ansteigen, erklärte Martina Nachtsheim, Pferdeexpertin von "Vier Pfoten". Dies könne eventuell Fluchtreaktionen auslösen könnte. "Es ist tragisch, dass Pferde ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse benutzt werden", meinte sie.

Keine Wohlfühl-Atmosphäre

Die Tierschützer gehen allerdings davon aus, dass in der Staatsoper ein geschultes Tier zum Einsatz kommen werde und sich keine Zwischenfälle ereignen sollten. Aber: "Auch wenn es nicht durchgeht, wohlfühlen wird sich das Pferd in der ungewohnten Umgebung sicher nicht", meinte Nachtsheim. Ein Fiakerpferd sei zwar den Straßenverkehr gewöhnt, nicht aber hunderte klatschende Menschen.

In dem Sangeshaus am Ring sieht man die Idee des Hausherren Holender hingegen unproblematisch. Auftritte von Vierbeinern bei Vorführungen in der Staatsoper seien nichts Außergewöhnliches, sagte Katharina Sedivy von der Rechtsabteilung der Wiener Staatsoper. In "L'Elisir d'Amore" (Liebestrank) etwa zieht ein Esel einen Karren, in "La Fille mal Gardee" (List und Liebe) wirkt ein Pony mit, in "La Boheme" ein Esel, und in früheren "Carmen"-Vorstellungen seien bis zu sechs Pferde auf der Bühne gewesen, erzählte Sedivy.

Genehmigung erteilt

Für den Auftritt des Fiakerpferdes am Opernball - das Holender nicht selbst mit Zügeln lenken wird, sondern eine "Vertrauenperson" des Tieres führen soll - habe man zudem fristgerecht um eine Genehmigung bei der Magistratsabteilung 60, dem Veterinäramt der Stadt Wien, angesucht. Diese sei bereits erteilt worden.

Auch die spezielle Hausordnung, die am Opernball gilt, dürfte der Einfahrt der Kutsche samt Vierbeiner keinen Strich durch die Rechnung machen: "Meiner Meinung nach spricht nichts gegen ein Pferd bei der Eröffnung", sagte die Rechtsexpertin der Staatsoper. Zwar finde sich in der Opernball-Hausordnung der Passus "Es ist nicht gestattet Tiere mitzunehmen" - mit Ausnahme von Blinden- und Partnerhunden. Dieses "mitnehmen" gelte allerdings nur für Besucher und schließe ein Mitwirken von Tieren bei Vorstellungen und Veranstaltungen nicht aus.

Die tierischen Darsteller werden der Staatsoper immer vom selben Halter zur Verfügung gestellt, berichtete Sedivy. Speziell trainiert werde der vierbeinige Star für die Opernball-Eröffnung nicht, teilte dessen Besitzer mit. Auf den Charakter komme es an: Ein solches Pferd müsse ruhig und nicht schreckhaft sein.

Kotfrage nicht geklärt

Ob der Vierbeiner einen als "Pooh-Bags" bekannten Pferdekot-Auffangbeutel tragen wird, sei noch nicht geklärt. Im Notfall werde man die Pferdäpfel "schnell wegputzen", meinte Sedivy. (APA)

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    foto: cremer
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