Leadership ist erlernbar!

30. Jänner 2007, 10:23
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Ein stilvolles Restaurant, der Attersee als beeindruckender Rahmen, ein zum Salzkammergut passendes Buffet und ein kleiner Kreis Gäste....

Ein stilvolles Restaurant, der Attersee als beeindruckender Rahmen, ein zum Salzkammergut passendes Buffet und ein kleiner Kreis Gäste. Einer davon ist Unternehmer, nach "nicht so ganz erfolgreichen" Bemühungen in einem deutschen Konzern inzwischen an der Spitze eines mittelständischen Betriebes in Österreich angekommen. Dieser Unternehmer beginnt über Führung zu referieren: "Richtige Führung kann man nicht lernen. Weder im Seminar noch an der Uni, und sei es Harvard. Entweder man kann es oder nicht." Er kann es natürlich, und prompt lässt er - ohne die Ironie seines Handelns zu begreifen - Taten folgen: Er greift zum Teller seines Tischnachbarn und zeigt ihm, wie man "richtig" die Saiblinge tranchiert.

Diese These, "Führung kann man nicht lernen und braucht es als Top-Manager auch nicht", basiert auf einem Trugschluss. Er lautet: "Ohne Leadership-Qualitäten wäre ich nicht da, wo ich bin - weil ich da bin, wo ich bin, besitze ich Leadership-Qualitäten. Und deshalb kann und muss ich sie nicht lernen!" Klingt plausibel, ist aber falsch.

Weichgespült

Denn in den oberen Etagen sitzen oft Personen, die den Herausforderungen nicht gerecht werden und die vor allem nicht führen können - was (falsche!) Mitarbeiterbefragungen nicht anzeigen, weil sie schon in der Konzeptionsphase "weichgespült" wurden.

Diverse Studien zeigen dagegen klar die Defizite in der Führung und ihre fatalen Konsequenzen für Rekrutierung, Motivation und Bindung von Mitarbeitern. Vor allem aber führt schlechte Führung zu Managementfehlern.

Überall ist Führung gefragt

Der Wettbewerb wird sie erzwingen und Mitarbeiter werden sie einfordern. Und diese Führung ist erlernbar! Da gibt es zum einen Techniken wie Mitarbeiterbeurteilungen oder Kritikgespräche. Dieses Führungshandwerk kann man leicht lehren und lernen, was aber nicht bedeutet, dass dieses Handwerk dann auch beherrscht wird. Zum anderen hat Führung mit Vision zu tun, mit Begeisterung, mit vorgelebten Werten und mit Sich-zurücknehmen-Können. Mitarbeiter über Kopf und Herz anzusprechen, kann auch gelehrt und gelernt werden - wenn auch beides nicht einfach ist.

Man braucht dazu Verständnis für die komplexe Arbeitswelt und das Eintauchen in konkrete Realitäten. Vor allem aber braucht man die Bereitschaft, sich mit sich selbst und seiner Führungskunst selbstkritisch auseinanderzusetzen. (Christian Scholz*, Der Standard, Printausgabe 12./13.11.2007)

*Christian Scholz ist Professor für Personalmanagement an den Unis Wien und Saarbrücken und fachlicher Leiter der PoP - Das Jahresforum für die Personalwirtschaft.
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