Avnery: "Lieberman viel schlimmer als Le Pen und Haider"

2. Februar 2007, 16:30
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Empörung über Treffen zwischen Rice und ultrarechtem Politiker

Jerusalem/Berlin - Indem sie mit dem ultrarechten israelischen Minister Avigdor Lieberman offiziell zusammengetroffen sei, habe US-Außenministerin Condoleezza Rice "etwas ganz Unglaubliches" getan, erklärte der Pazifist und Ex-Parlamentsabgeordnete Uri Avnery in einem Interview mit der Berliner Zeitschrift "Freitag". "Was würde man sagen, wenn (die deutsche) Kanzlerin (Angela) Merkel in Frankreich (den Chef der Nationalen Front) Jean-Marie Le Pen mit einem Termin bedacht hätte? Oder Tony Blair in Österreich auf Jörg Haider getroffen wäre? Im Vergleich zu Lieberman schauen diese beiden Buben so harmlos aus wie Max und Moritz", findet der Gründer der Friedensbewegung "Gush Shalom" und Träger des Alternativen Friedensnobelpreises.

"Avigdor Lieberman ist der Prediger der 'ethnischen Säuberung'. Er will den Judenstaat 'araberrein' haben. Er glaubt, dass zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss kein Platz für Araber ist. Auch nicht für die 1,4 Millionen, die Bürger Israels sind", sagte Avnery. Derzeit sei der aus Moldawien stammende Lieberman Minister, "weil (Ministerpräsident Ehud) Olmert seine Stimmen in der Knesset braucht. Sein pompöser Titel lautet 'Minister für strategische Bedrohungen', doch ein Ministerium gibt es nicht. (...) Was hat sich (US-Präsident George W.) Bush nur gedacht, als er seinen Papagei ausgerechnet zu diesem Mann fliegen ließ?" "Vielleicht war es wirklich Zweck der Reise, einen militärischen Coup gegen den Iran vorzubereiten? Viele in der Welt glauben das, auch in Israel sind nicht wenige davon überzeugt, man müsse dies früher oder später tun. (...) Vielleicht war Condoleezza Rice auch nur unterwegs, um den Iran politisch unter Druck zu setzen", so Avnery. Kein arabischer König oder Präsident könne jedenfalls "daran denken, die Politik der Amerikaner wirksam zu unterstützen, solange keine wirklichen Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern stattfinden. Genau die will Olmert aber nicht. Er denkt gar nicht daran, den 200.000 Siedlern den Krieg zu erklären. Außerdem hat er praktisch schon 45 Prozent des Westjordanlandes annektiert. Da kein palästinensischer Führer, auch nicht der machtlose Mahmoud Abbas, damit einverstanden sein kann, glaubt Israels Regierungschef, es wäre das Vernünftigste, mit Verhandlungen gar nicht erst anzufangen. Die so genannte Roadmap, dieses tot geborene Kind, das Condoleezza jüngst mit sich herumschleppte, als wäre es lebendig und kerngesund, interessiert weder Olmert noch Abbas." (APA)

Link: Freitag
  • Uri Avnery
    foto: epa photo afpi/dominique faget/df/jh/nk-ms

    Uri Avnery

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