Mega-Fusion zeichnet sich ab

6. März 2007, 14:59
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Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb stehen angeblich kurz vor dem Zusammen­schluss zum größten Pharmakonzern der Welt

Paris/London - Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis und der US-Wettbewerber Bristol-Myers Squibb könnten einem französischen Finanzblatt zufolge kurz vor dem Zusammenschluss stehen. Wie "La Lettre de l'Expansion" am Montag ohne Angabe von Quellen berichtete, wurde möglicherweise in der vergangenen Woche eine Absichtserklärung dazu unterzeichnet. In den nächsten Wochen könnte eine freundliche Fusion angekündigt werden.

Ein Sanofi-Sprecher lehnte eine Stellungnahme mit der Begründung ab, der Konzern äußere sich nicht zu Spekulationen in der Presse. Mit einem Zusammenschluss würde der weltweit größte Pharmakonzern noch vor dem US-Giganten Pfizer entstehen.

Die beiden Arzneimittelhersteller gelten schon seit längerem als Kandidaten für einen Zusammenschluss. Sie arbeiten beispielsweise bei dem lukrativen Blutverdünnungspräparat Plavix zusammen, dem weltweit zweitumsatzstärksten Medikament. Bis zum zeitweiligen Verkauf einer Nachahmerversion im vergangenen Jahr brachte das Präparat jährliche Erlöse von sechs Mrd. Dollar (4,65 Mrd. Euro) ein. Mehr als die Hälfte davon wurde in den USA erwirtschaftet, wo Bristol-Myers Squibb das Mittel vermarktet.

Schuldenlast verringert

Analysten sind davon überzeugt, dass sich Sanofi das US-Unternehmen in den jüngsten Monaten genau angeschaut hat. "Das würde mich nicht überraschen. Sanofi braucht eine stärkere Aufstellung im US-Markt", sagte Oliver Kämmerer von der WestLB. Der Konzern habe die Schuldenlast in der Bilanz seit der Übernahme von Aventis erheblich verringert. Sanofi könne daher etwas machen.

Auch in den Führungsetagen der weltweit führenden Konzerne der Branche wurde ein Zusammenschluss bereits als Möglichkeit durchgespielt. Novartis-Chef Daniel Vasella etwa hatte im vergangenen Monat gesagt, eine solche Transaktion könnte anstehen. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Unternehmen, die über Produkte miteinander verbunden sind, wie Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb, über eine Fusion nachdenken", sagte der der Manager in einer Schweizer Zeitung.

Nach Einschätzung von Experten hängt nun viel davon ab, wie der Gerichtsstreit zum Patentschutz von Plavix ausgeht. In der vergangenen Woche war in den USA ein Schlüsselverfahren gestartet, in dem beide Unternehmen sich gegen den kanadischen Generikahersteller Apotex zur Wehr setzen. Apotex hatte im August eine Kopie des Blutverdünners auf den US-Markt gebracht, die kurz darauf mit einer einstweiligen Verfügung wieder gestoppt worden war. Viele Analysten rechnen damit, dass in dem Prozess in New York der Patentschutz für Plavix bestätigt wird. Dann könnten beide Konzerne nach Einschätzung von Experten einen Zusammenschluss leichter auf den Weg bringen.

Die Sanofi-Aktie büßte nach dem Bericht an der Pariser Börse ein Prozent auf 69,25 Euro ein. (APA/Reuters)

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