Lanze für die Familie

2. Juli 2007, 16:30
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David S. Landes' "Die Macht der Familie" zeigt ein komprimiertes Panaroma einiger der wichtigsten Familiendynastien und ihres Einflusses auf die Weltwirtschaft auf

Hat David Landes, einer der führenden amerikanischen Wirtschaftshistoriker ("Wohlstand und Armut der Nationen") in früheren Arbeiten sich skeptisch über Familienunternehmen geäußert, bricht er in seinem jüngsten Werk eine Lanze für sie. Allerdings nur retrospektiv, denn Theorien darüber, wie sich - große - Familienunternehmen (deren es in Österreich ja auch etliche gibt) künftig in einer globalisierten Wirtschaft behaupten bzw. entwickeln, findet sich im Buch nicht.

Dafür erhält der Leser ein komprimiertes Panaroma einiger der wichtigsten (westlichen) Familiendynastien und ihres Einflusses auf die Weltwirtschaft vom 17. Jahrhundert bis heute. Anhand von elf Fallbeispielen - von den Rothschilds und Barings, über die Fords und Toyodas bis hin zu den Rockefellers und Schlumbergers - zeigt er unterhaltsam auf, dass vor allem in Krisenzeiten sich eines bewahrheitet: Blut ist dicker als Geld. Gleichzeitig sind die "Blutsbande" auch häufig einer der größten Schwachpunkte der von Landes behandelten Wirtschaftsdynastien. Sei es, dass zwar die "Gene zählen, aber sie ... nicht narrensicher" sind; sei es, "dass Geld, wenn viel davon da ist, ablenkt" - und zwar vom Geschäftemachen.

Wenn auch das Buch analytischen Tiefgang vermissen lässt, ist es ob seines Anekdotenreichtums und wirtschaftlichen Hintergrundwissens eine unterhaltsame Lektüre. (kat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2007)

  • David S. Landes: Die Macht der Familie. Wirtschaftsdynastien in der Weltgeschichte, Siedler Verlag 2006, 480 Seiten, 25,70 Euro.
    foto: siedler verlag

    David S. Landes: Die Macht der Familie. Wirtschaftsdynastien in der Weltgeschichte, Siedler Verlag 2006, 480 Seiten, 25,70 Euro.

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